Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ethik R. Saadjas. 73 einer Seite hin« als schädlich erweisen, so heißt das, der Mensch tue nichts, was ihm selbst oder der Gesamtheit irgendwie schädlich .ist. Dadurch wissen wir aber nur, daß nach Saadja eine Tat verwerflich ist, wenn sie schädlich ist Ist sie nun denn aber schon sittlich gut, wenn sie nicht schädlich ist? Nach obigem Prinzip scheint es so, denn es verbietet nur schädliche Handlungen. Eine Handlung kann doch aber auch, ohne schädlich zu sein, ganz wertlos sein; man kann sie dann doch nicht »gut« nennen; denn mit »gut« wird immer nur dasjenige bezeichnet, was irgend welchen Wert hat, Wir müssen deshalb ännehmen, daß hierin nicht das ganze Prinzip Saadjas ausgesprochen ist und müssen andere Stellen zur Ergänzung heranziehen. Eine Handlung ist nach ihm wertlos, wenn sie zweck- und nutzlos ist. Einen Zweck oder Nutzen soll also jede Handlung haben, ohne einen solchen hat sie keinen Wert. Wie aber bei der Erwägung der schädlichen Folgen das Subjekt nicht bloß auf sich selbst Rücksicht nehmen soll, sondern auch auf Wesen außer ihm, so wird auch der Wert einer Handlung nicht bloß von dem Nutzen des Subjektes abhängig gemacht. Die Tat hat ihren Wert, wenn sie nur irgend wem zu gute kommt. Denn nur derjenige handelt wertlos, welcher etwas vollbringt, was auch nicht einem einzigen der geschaffenen Wesen zum Vorteil gereicht1). Das Prinzip, das wir bei Saadja finden, verlangt die Unterordnung des Einzelnen unter die Gesamtheit, denn was der Gesamtheit nützlich oder schädlich ist, das hat auch dem Einzelnen dafür zu gelten. Das Gute hat bei ihm, selbst wenn er es nur relativ als das Nützliche bestimmt, einen allgemein gültigen Charakter. Deshalb verwirft er mit Entschiedenheit den Hedonismus als ethisches Prinzip2). 1) Emunot IV, S. 80: בי העושה לשוא הוא עושה דבר שאין לו ונועלת לאחד מהברואים. 2) Den Hedonismus kannte Saadja sowohl aus Plato wie aus Aristoteles. Eth. Nie. I, Kap. 8, Anfang. Der Hedonismus wurde