Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Ethik R. Saadjas. 67 oder die Pflicht der Dankbarkeit findet er keinen Nützlichkeitsgrund — wie der Hauptgrund für alle übrigen Vernunftgründe ist der, daß die Vernunft das in ihnen Gebotene als etwas Gutes und das in ihnen Verbotene als etwas Schimpfliches erkennt. Das Gute ist hier also etwas Objektives, das seinen Wert in sich selbst hat. Das läßt sich auch aus einigen anderen Stellen beweisen. Im zweiten Abschnitt fragt Saadja: »Wie können wir zu einer Vorstellung von Gott gelangen, da wir ihn mit unseren Sinnen doch nie wahrnehmen?« Darauf heißt es: »in derselben Weise, wie unsere Vernunft ohne jegliche sinnliche Wahrnehmung das Gute der Wahrheit und das Schimpfliche der Lüge erfaßt* *1). Daß aber das Wahre gut und das Falsche oder die Lüge schimpflich sei, ist für uns, wie er ausdrücklich behauptet2), eine ursprüngliche Vernunfterkenntnis. Darum sagt er, und diese Stelle ist für die objektive Wertschätzung bei Saadja von Bedeutung: »Es sei eine törichte Verkennung und Verdrehung der »Wahrheiten« des Guten und des Bösen, wenn man sie von menschlicher Annahme abhängig mache«8). Das wahre Wesen des Guten und Bösen, denn das haben wir unter »Wahrheiten« zu verstehen, besteht also in seinem objektiven Werte, und diesen finden wir nicht erst durch eine berechnende Verstandesreflexion, sondern unsere Vernunft erkennt ihn unmittelbar und intuitiv. Was aber die Vernunft als gut erkennt, das verpflichtet sie auch l) Emunot II, S. 55. Wir lesen nach dem arab. Text (ZDMG. Bd. 33, S. 707): הטבת האמת וגנות הכזב. *) Das. Einleitung, S. 7: אבל מדע השכל הוא אשר יעלה בשכל .במו שהצדק טוב והכזב מגונה י) Das. IV, S. 80: ...ותתהפכנה אמתות הטוב והרע ותהינה כפי אמתות הקבול וזה הבל• Das bedeutet das wahre Wesen und wird meistens von den realen Dingen ausgesagt, vgl. das. V, S. 88: ועל כן יש לכל אדם מצוה כפי התחלקות דעתם. »Wollte jeder die Gebote nur nach sub• jektivem Belieben deuten und sich darnach richten, dann wäre jedes Gebot je nach der verschiedenen Sinnesart des Menschen verschieden und veränderlich.« 5*