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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 66

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1912-01-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 Die Ethik R. Saadjas. ethische Schätzung des Guten gekannt habe? Wir verweisen deshalb auf einen Satz, dessen schon oben bei der Pest- Stellung des Begriffes der Ethik Erwähnung geschehen ist, »daß unserer Vernunft die Erkenntnis von dem, was gut und schimpflich sei, eingepflanzt ist«1). Auf Grund dieser unmittelbaren Erkenntnis von dem, was gut und schimpflieh ist, hatte er eben im dritten Abschnitt die »Vernunftgeböte« von den »Offenbarungsgeboten« zu unterscheiden verihocht. Vielleicht ist diese Erkenntnis aber doch nur eine Verstandesreflexion? Die Vernunft erkennt eben, daß das, was geboten ist, zu irgend einem Zwecke nützlich und eben deshalb auch gut sei, und umgekehrt, daß ebenso das Verbotene schädlich und darum auch verwerflich sei. Versucht ja Saadja selbst alle Gebote, sowohl die Vernunft-als auch die Offenbarungsgebote, dadurch vor der Vernunft zu rechtfertigen, daß er ihren Nutzen nachzuweisen sich bemüht. Dem gegenüber ist aber einzuwenden, daß er zwei Gruppen von Geboten anführt, für die er keinen Nutzen anzuwenden weiß. »Die Vernunft verpflichtet den Menschen, sich für empfangene Wohltaten erkenntlich zu erweisen, entweder durch Gegenleistung, oder, wenn der Wohltäter deren nicht bedarf, durch dankbare Gesinnung. Die Vernunft verbietet uns ferner, Gott zu schmähen oder zu fluchen«2). Auf Grund der relativen Wertschätzung sind wir berechtigt, nach dem Zwecke dieses Verbotes zu fragen. Saadja hat das gefühlt und gibt deshalb die Erklärung: »Wenn Schmähungen und Lästerungen Gott auch keinen Schaden zufügen — weshalb sie also auch nicht verboten sein dürften — so kann sie doch die Vernunft nicht gestatten«®). Und der einzige Grund für diese beiden — denn auch für das Gebot >) Emunot 111, s. 59: וכל ענין מאלה שמצוה בו, נטע בשכלנו טובתו וכל ענין מהם שהזהיר ממנו נטע בשכלנו ננות. 2) Das. III, S. 58 gegen Ende. *) Das. S. 59: ועוד הזהירנו מהקבילו בקללות ובנדופים אף על פי שאינם מזיקים אותו אלא שאין מדרך החכמה להתירם.

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