Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
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Kontroversen zwischen Juden und Christen. 61 sich nicht unter das Joch des Gesetzes beugen. Wir müssen den gegenwärtig herrschenden Irrtum — nämlich der Jüdischgesinnten — »fliehen und uns mit Leuten dieser Art in keine Gemeinschaft einlassen, damit wir ihnen nicht ähnlich werden1). Denn es ist, wie Daniel sagt, mit der Versuchung sehr weit gekommen und Gott beschleunigt die Tage, daß sein Sohn zu seinem Erbteil komme. Haltet euch nicht zu denen, die da vorgeben, ihr und unser Testament sei ja eins. Die Tafeln Mosis sind zerbrochen. Das soll uns auf das Evangelium hinweisen Die Trennung von allem, was jüdisch, die Losreißung des Neuen vom Alten Testament, worauf unser Brief schon in einer Zeit, in der das jüdische Christentum noch der »herrschende Irrtum« war, mit aller Energie hinarbeitet, war in den Tagen des Celsus allgemeine Losung geworden. Das gnostisch-antinomistische Christentum beherrschte damals die gebildeten Klassen dermaßen, daß der über Judentum und Christentum vorzüglich unterrichtete Celsus in ihm die allgemeine Kirche sah. Und in der Tat war nach außenhin das Verhalten beider zum Judentum das gleiche. Daß die rechtgläubige Kirche das Gesetz noch einigermaßen respektierte, um die geschichtliche Kontinuität nicht vollends aufzuheben und nicht der einzigen unanfechtbaren Quelle für die Beweise der Messianität Jesu verlustig zu gehen, milderte durchaus nicht ihre feindliche Stellung dem Judentum gegenüber. Es zeigt sich nun überall, daß die von der gnostischen und der allgemeinen Kirche mit großer Rücksichtslosigl) Wir haben bereits gesehen, daß Justin gleichfalls von Christen spricht, die selbst mit jüdischen Christen keinen Verkehr pflegen wollen. Der Verfasser des Barnabasbriefes gehört zu diesen. Auch er sieht noch »den jüdischen Irrtum« prävalieren; aber :er darf schon hoffen, »daß der Sohn Qottes bald zu seinem Erbe kommen werde.«