Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
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Kontroversen zwischen Juden und Christen. 59 der Sünder und Ungerechten von nun an nicht mehr sehen1). Wenn nun Celsus berichtet, daß Christen und Juden zur Hauptfunktion des Messias das Weltrichteramt zählen, und daß der Unterschied in den Anschauungen beider lediglich darin bestehe, daß die ersteren behaupten, der Messias sei bereits erschienen, während die letzteren sein Herabkommen noch erwarten; so entspricht dies vollkommen der Wahrheit, und es ist kaum glaublich, daß er die den Juden in den Mund gelegte Anschauung: »das Weltgericht werde sich analog der Sintflut vollziehen«, selber erdichtet habe. Bemerkenswert ist ferner, daß die Christen, wie Celsus hinzufügt, auch diese jüdische Anschauung akzeptierten, sie aber gegen die Juden selbst ausspielten, um zu beweisen, daß der Christ bereits erschienen sei. Sie sagten nämlich: wegen der Sünden der Juden sei der Gottessohn bereits gesandt worden; sie hätten, da sie Jesum gestraft und mit Galle getränkt, Gott gereizt, die Galle seines Zornes gegen sie auszuschütten*). Der Jude des Celsus ist eine arg vergröberte Auflage desjenigen bei Justin. Sieht Tryphon noch in einer Auseinandersetzung mit dem werdenden Christentum lediglich eine anregende Unterhaltung, wobei es niemals zur Verletzung der gesellschaftlichen Formen kommt, die Kontroverse niemals in niedrige Angriffe auf die Person Jesu ausartet, so ist dagegen schon das erste Auftreten des Juden bei Celsus ein brüskes, mit ungezügelter Heftigkeit gegen den Stifter des Christentums losstürmendes, dem er in gehässigster Weise für die über ihn in Umlauf gesetzten Fabeln und Mythen alle Verantwortung auflädt, ihn so darstellend, als habe er selber sich für den Sohn Gottes 1j Henoch c. 62— 63. s) Orig. c. Cels. IV, 22: . , . toc? ׳röv ’IouSattov «|A«p׳r1a? 77§ן] •JCSXSpupÖ’OCl TOV ulov TOÜ Ö’äOÜ y.'v'X.