Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
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30 Ludwig Philippson. Kirchenrats Maier. Besonders scharf fertigte er O. Salomon ab, der ihm, welcher doch das wesentlichste Verdienst um das Zustandekommen hatte, wegen seiner Kritik einzelner Phasen der Versammlung autokratisches Verfahren und die Absicht, den Papst, spielen zu wollen, vorgeworfen hatte. So fand »auch hier, wie eben bei solchen geistlichen Ver- Sammlungen das odium theologicum, das unsere Alten קנאת ספריה nannten, Platz.« Trotz allem war die Wirkung auf die christliche Welt groß. Die Öffentlichkeit der Verhandlungen, die Philippson so warm befürwortet hatte, trug ihre Früchte. Man war überrascht zu sehen, wie ein Viertelhundert Rabbiner aus verschiedenen Gegenden Deutschlands sich fließend und richtig und oft mit großer Beredsamkeit deutsch auszu־ drücken verstanden und sich ohne alle Schulung in parlamentarischen Formen bewegten. Eine praktische Folge war ferner, daß mit Bezug auf einen Beschluß der Versammlung die braunschweigische Regierung den Judeneid abschaffte. Anders war natürlich die Wirkung auf die Orthodoxie. 77 meist unbekannte Rabbiner aus Deutschland, Holland, Ungarn und Galizien, denen sich später noch 40 anschlossen, legten Verwahrung ein, gegen sie wieder viele Gemeinden. Die ersehnte Einigung war also nicht erreiche Am 15, Juli 1845 wurde die zweite Rabbinerversammlung zu Frankfurt eröffnet, ln der Zwischenzeit waren auch in den christlichen Kirchen Deutschlands große Bewegungen vor sich gegangen (,Deutsch-Katholizismus, Marbarger Lichtfreunde), die auf die Judenheit zurückwirkten, in der Zwischenzeit hatte Philippson seine Ansichten über Reformen in einer Reihe von Artikeln dargeiegt, in denen er auf seinem alten Standpunkte stand. Angemeldet waren zur Versammlung 37 Teilnehmer, doch erschienen nicht alle. Hinzugetrefen waren mehrere Anhänger der gemäßigten Reform, so z• B. Z. Frankel aus Dresden und Jost. Zum Vorsitzenden wurde der Ortsrabbiner Stein gewählt, abge-