Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
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Ludwig Philippson. 29 kommen der Versammlung ausgesprochen worden war, nach längerer Debatte für öffentlich erklärt. Ebenso wurden die von ihm vorbereiteten Satzungen nach eingehender Beratung in den ersten 4 Sitzungen mit einigen Änderungen angenommen, sowie in der 9. und 10. Sitzung nach der Vorbereitung durch eine Kommission sein Antrag, die Ant- Worten des großen Sanhedrin von 1807 mit zeitgemäßen Änderungen anzunehmen. Da sich der Mangel an bestimmten Anhaltspunkten zeigte, wenn auch viele Mitglieder namentlieh Philippson auf allgemeine Grundsätze hindrängten, so trat mehr die Behandlung von Einzelfragen hervor, deren endgiltige Lösung durch Kommissionen auf die nächste Versammlung verschoben wurde. Aber selbst die gefaßten Beschlüsse gingen weit über die Meinung der Gemäßigten hinaus; die radikale Richtung war in der Mehrheit. Die Versammlung verließ den geschichtlichen Boden und warf Fragen kritischer Natur auf wie: über Umgestaltung der Liturgie, der Erbauungsbücher, über den Sabbat und die Speisegesetze, eine Revision der Ehevorschriften, während Philippson (in der 8. Sitzung) richtig erklärte, man müsse vom praktischen Standpunkt ausgehen, für die Zukunft arbeiten, aber auf dem Boden der Vergangenheit. Es scheint sich gegen ihn eine gewisse Voreingenommenheit geltend gemacht zu haben, wenigstens wird er in den Kommissionswählen auffallend zurückgesetzt, in den Verhandlungen über die Protokolle (in der 11. Sitzung) zeigte sich nicht am wenigsten bei Geiger, fast Feindseligkeit gegen ihn, der eben in der Ailg. Zeitung schon ein Organ besaß, in dem die Berichte fortlaufend veröffentlicht wurden. Die offiziellen Protokolle waren durchaus nicht unparteiisch, gegen die Wiedergabe der Begründung seiner Abstimmung in der Eidesfrage und der Gebetsprache, die falsch und verstümmelt war, mußte er protestieren, doch war er ja in der Lage die wirkliche Fassung zu veröffentlichen. Ebenso wehrte er sich nachträglich und nachdrücklich gegen die Angriffe des