Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
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Ludwig Philippson. 31 halten wurden 18 Sitzungen, die letzte am 28. Juli. Zahlreiche Gemeinden, Vereine und angesehene Personen hatten Adressen gesendet, deren Verlesung die ersten Sitzungen ausfüllte; dann erst kam man zu der eigentlichen Tages- Ordnung. Die erste Frage betraf den Gebrauch derhtbräischen Sprache beim Gottesdienste. In längerer Rede begründete Philippson seine Ansicht, wohl die deutsche Sprache in die Synagoge einzuführen, in der Hauptsache jedoch die Sprache der Väter beizubehalten; sie sei das Einheitliche für alle Juden und das Unterscheidende der jüdischen Minorität gegenüber der unermeßlichen Mehrheit der Andersgläubigen. Die deutschen Juden sind Deutsche, aber das Judentum könne nicht deutsch sein, es sei universell für alle Juden, eine Ansicht, die m. E. unwiderleglich ist. Es wurde nun zv/ar die Beibehaltung der hebräischen Sprache beim Gottesdienst einstimmig beschlossen, dagegen blieb der Antrag, es solle die Hauptsprache bleiben in der Minderheit, der auch Frankel, Jost und Philippson angehörten. Frankel schied unter Protest aus (mit ihm Schott), was ungeheures Aufsehen erregte. Gleichwohl nahmen die Beratungen ihren ruhigen Fortgang. Es handelte sich noch um die Messiasidee und um liturgische Fragen, wobei meist Philippsons Anschauungen durchdrangen. Er konnte zufrieden sein und drückte das in einem Schreiben an Phöbus in sehr selbstbewußter Weise aus: »Ich nahm in den Hauptsachen so entschieden das Wort und mit solcher Kraft, daß ich als Redner die erste Stellung in der Ver- Sammlung eingenommen und mir eine fast überwiegende Stellung erobert habe.« Zu selbstbewußt, denn ich habe aus den Protokollen den Eindruck empfangen, daß Geiger zumindest nicht zurückstand. In der letzten Sitzung begründete er den von Geiger und ihm gestellten Antrag auf die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät, der mit geringfügigen Änderungen angenommen und einer fünfgliedrigen Kommission zugewiesen wurde, die der nächsten