Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
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24 Ludwig Philippson. im Judenviertel gesehen worden, unternahm der französische Konsul die Untersuchung. Durch seine Schuld insbesondere wurden die Juden verdächtigt, beide ermordet zu haben, um ihr Blut zur Bereitung des ungesäuerten Brotes zu verwenden. Das alte, immer wieder aufgewärmte Märchen wurde von der deutschen und französischen Presse aufgenommen und weiterverbreitet. Sofort erhob (neben Zunz in der Leipziger Allgemeinen Zeitung) Philippson in der weitverbreiteten »Magdeburger Zeitung«, sowie in der Ailg. Zeitung des Judent. dagegen seine Stimme, die auch bei unbefangener!, einsichtsvollen Christen Widerhall fand. Die Bewegung, zu deren Belebung seine Regsamkeit nicht wenig beigetragen hatte1), die Verdienste von M. Montefiore und A. Cremieux um die Befreiung der angeklagten, fürchterlich mißhandelten Juden sind bekannt. Bei dieser Gelegenheit kam Philippson mit dem großen englischen Philanthropen in Magdeburg in persönliche Berührung, doch bestand zwischen beiden eine Spannung, veranlaßt durch eine Streitfrage in der Londoner Gemeinde (s. S. 32). Ohne nachhaltigen Erfolg, wie auch später 1881 blieb trotz aller aussichtsreichen Anfänge der 1841 warm unterstützte Versuch des russischen Ministers für Volksaufklärung, Uwarow, zur Hebung der Volksbildung der russischen Juden und um deren allmähliche bürgerliche Gleichstellung. Auch seine Bestrebungen, ihre Lage durch organisierte Auswanderung zu verbessern, scheiterten. ,Umso erfolgreicher waren seine Bemühungen für die Stellung der Glaubensgenossen in Preußen. Friedrich Wilhelm 111., der die Juden zum Christentum zu bekehren hoffte und daher den bekenntnistreuen Israeliten nur Übelwollen zeigte, unterstützt von seinen konservativen Räten, hielt sich von einer grundsätzlichen Regelung der jüdischen Verhältnisse fern, und selbst um das kleinste Zugeständnis mußte gerungen und gefeilscht werden. Und •) Jost, s. 155.