Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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22 Ludwig PhiHppson. bereite etwa ein Sechstel der erforderlichen Summe gesammelt war. Die Lauheit der großen Gemeinden, die Teilnahmslosigkeit der Reichen, die bestehende Spaltung der theologischen Richtungen und der Mangel an geeigneten Lehrkräften standen hindernd entgegen. Erst 1854 trat durch das reiche Vermächtnis Jonas Fränckels ein jüdisch-theologisches Seminar in Breslau ins Leben, und 1872 konnte Philippson bei Eröffnung der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin die Festrede halten. In diese Zeit fällt auch die Ausführung des Planes (s. S. 10), durch ein »Bibelwerk« bei den Juden das richtige Verständnis der heiligen Schrift zu beleben, sie den Lesern im vollsten Sinne zugänglich zu machen. Das großartige Unternehmen wurde 1839 begonnen und lag 1854 in drei sehr starken Bänden vollendet vor. Die Übersetzung zeigt bei möglichster Treue gegen den Text große Schönheit und Ungezwungenheit, die Ausstattung war glänzend; den überaus eingehenden dogmatischen, geschichtlichen, geographischen und naturgeschichtlichen Kommentar beleben mehr als 500 authentische Illustrationen nach englischen Originalen. Grammatische und lexikographisehe Erörterungen sind absichtlich auf das Notwendigste beschränkt. Jedem Buche geht voran und folgt oft eine allgemeine Einleitung und ein Schlußwort, welche die Stellung des Einzelnen im und zum Ganzen betrachten. Der Kommentar ist streng konservativ, aber wenn zugegeben werden muß, daß bei einem Werke, welches der ganzen Judenheit zugleich sozusagen als Erbauungsbuch dienen sollte, das ein ganz richtiger Standpunkt war, so muß anderseits ebenso zugegeben werden, daß er auf strenge Wissenschaftlichkeit keinen Anspruch erheben kann. Dazu widerspricht doch Allzuvieles nicht bloß den kühnen Hypothesen und der beliebten Sezierung der Bibel, sondern auch Ergebnissen, die längst Allgemeingut geworden sind und über jeden Zweifel hinausgehoben. Ich denke z. B. an