Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 Ludwig Pbilippspu. brille auf der Nase, scharf ins Auge und prüfte genau meine Papiere, die ich zur Legitimation meiner Person vorzulegen hatte. Dann sprach er: *Sie sind doch Jude?« Ich bejahte dies. »Wie kommen Sie dazu einen Preis aus einer christlichen Konsistorialkasse beziehen zu wollen?« Meine Antwort lautete: »Durch nichts Anderes als das Urteil der Fakultät und die mir von dieser gewordene Anweisung.« Der kleine Mann geriet in Zorn, schlug auf das Pult und schrie: »Das muß erst noch weiter untersucht werden!« Ich wanderte sofort zum Dekan und berichtete ihm über den Vorgang, worauf dieser ausrief: »Will solch ein Rendant sich das Richteramt über die Fakultät anmaßen?« Sofort schrieb er auf ein Blatt Papier:: »Die 30 Taler sind augenblicklich dem Studiosus Philippson auszuzahlen« und versah dies mit Unterschrift und Insiegel.. Der Herr Rendant brummte gewaltig, mußte sich aber fügen. Indessen hatte die Sache doch eine Folge, denn das nächste Mal enthielt die Aufforderung an die Kommilitonenden Zusatz »christlichen Glaubens,« und dabei verblieb es.« Es ist überhaupt staunenswert, wieviel Philippson in diesen jungen Jahren auf dem Gebiete der klassischen Philologie und der damit zusammenhängenden Philosophie gearbeitet hat. Die bedeutendste Schrift aus dieser Zeit: jedoch ist die lateinisch geschriebene Abhandlung: 'TX7k ävflpciMuvn. Scripsit et edidit Ludovicus Philippson, Berolini 1831. F. A. List. Das Problem gehört ebenso der Geschichte der griechischen Anatomie und Philologie an, in die ihn, wie wir wissen, sein Bruder, der Arzt, eingeführt hatte, wie der griechischen Philosophie. Ein Eingehen auf diese Arbeit, die noch jetzt von Philologen und Geschichtschreibern der־ Medizin geschätzt wird, erübrigt sich für mich umsomehr, als ein weit Berufenerer, Geh.-R. Prof. Dr. Hermann Cohen von der Marburger Universität, über ihre Bedeutung in den eben erschienenen: »Gesammelten Abhandlungen« in seiner