Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1912-01-01 · Heft 1 · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
56 (1912)
Issue
Heft 1
Article
Ludwig Philippson
Date
1912-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829843-2829845-2847072--39262-2847107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ludwig Philippson. 11 konnte er allerdings erst, nachdem ihm der vorurteilslose H. A. Niemeyer, der Direktor der Francke’schen Stiftung durch ein Machtwort den Weg geebnet hatte, nach einer Aufnahmeprüfung als erster Jude in das Hallesche Oymnasium eintreten. Sein treuer Führer war auch hier sein Bruder Phöbus, der Medizin studierte. Unter seiner Leitung trieb er das Hebräische weiter, lernte er französisch und wurde er mit den Elementen der Physik und Physiologie, sowie der Anatomie am Seziertische bekannt gemacht. Nach der glänzend bestandenen Maturitätsprüfung bezog er im Oktober 1829 die Berliner Universität und hörte unter anderem Philosophie bei Hegel, Naturrecht bei Gans, Institutionen bei Savigny, Geschichte bei Raumer und klassische Philologie, die er sich zur Lebensaufgabe erwählt hatte, bei A. Boeckh, Zumpt und Imm. Becker; aber auch die jüdisch-theologischen Studien wurden fortgesetzt. Seinen Lebensunterhalt gewann der junge Student wie in Halle auch in der großen Stadt durch Erteilung von Privatunterricht, bald aber auch durch literarische Arbeiten, die Willibald Alexis, der deutsche Scott, in dem von ihm herausgegebenen »Freimütigen« veröffentlichte. Es waren Aufsätze aus den verschiedensten Gebieten, besonders aber Studien über die jüdisch-hellenistische Literatur, die bewirkten, daß der Neunzehnjährige zum Mitarbeiter der »Sozietät der Jena’schen allgemeinen Literaturzeitung«ernannt wurde, für die er, der jüdische Student, die Schriften über Patristik übernahm. Daß er auch ernstere Aufgaben zu lösen wußte, zeigt seine von der philologischen Fakultät ■der Berliner Universität preisgekrönte Arbeit über das Leben des italienischen Humanisten Lorenzo Valla in lateinischer Sprache. »Als ich,« erzählt Philippson in seinen Erinnerungen »in der Rendantur des Konsistoriums erschien (mit der Anweisung des Dekans über 30 Taler), faßte mich der Rendant, ein kleiner schmächtiger Mann mit großer Horn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.