Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Ludwig Philippson. Moses Philippsohn oder Philippson berufen, der Sohn des Philipp Moses oder Moses Arnswalde. Moses Philippson, der durch seine pädagogische Befähigung und Pflichttreue sich die Achtung der Gemeinde, sowie die Liebe seiner Schüler zu erwerben wußte, war auch ein Schriftsteller von nicht geringer Begabung, ein Erbe, das er seinem Sohne Ludwig hinterließ, wie dieser seinem Sohne Martin. Freilich für eine Übersetzung und Erklärung der ganzen Bibel — Mendelssohn hatte ja nur Teile übersetzt und erklärt — reichten seine Kräfte nicht hin, abgesehen davon, daß ein solches Unternehmen damals für einen unbemittelten Mann aussichtslos war, da die wenigsten Juden hochdeutsch lesen konnten und sogar schon der Druck mit deutschen Schriftzeichen als Profanierung galt. Er mußte sich gleichfalls auf einzelne Teile und deren Kommentierung beschränken. Aber seinen Plan, sowie den, die Bildung seiner Glaubensgenossen vermittels eines geläuterten Schrifttums kräftig zu fördern, nahm vierzig Jahre später, sein Sohn Ludwig auf und verwirklichte ihn mit seinem so hervorragend praktischen Sinne in großartigster Weise. Ihm wurde in Dessau am 28. Dezember 1811, -dem 12. Tebeth 5572, als zweiter Sohn unser Ludwig geboren. Aber kaum 39 Jahre alt starb der vielgeplagte Lehrer und Gelehrte, und die Sorge für die Erziehung der hinterlassenen Waisen — außer zwei Brüdern noch eine Schwester — blieb der Mutter Marianne, einem zwar sehr einfachen, aber wackeren jüdischen Weibe überlassen. Seinen ersten Unterricht erhielt Ludwig in der Freischule zum Teil von G. Salomon, zum Teil von seinem älterenBruder Phöbus, der bereits das Gymnasium besuchte. Natürlich wurde er frühzeitig in Mischnajoth, Schulchan Aruch und Talmud eingeführt. Daneben las der Knabe alles, wessen -er habhaft werden konnte, besonders als Phöbus zur Erleichterung des Erwerbes der Mutter eine Leihbibliothek •errichtete, und sammelte so eine Menge Wissen an. 1826