Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Philippson. 5 ganz den Geist der Zeit Friedrich Wilhelms II. atmeten, verließen den Glauben ihrer Väter. Wie wenig Verständnis und daher Boden das Judentum unter diesen »Aufgeklärten« besaß, zeigt ja am besten das merkwürdige Sendschreiben D. Friedländers an den Propst Teller, in dem er den Wunsch ausspricht, in die große christliche Gemeinschaft eintreten zu können, ohne das allgemein Menschliche und Vernünftige der mosaischen Religion aufgeben und dafür nur die anderen, neuen Lasten eines christlichen Dogmas und Ritus auf sich nehmen zu müssen. Diesem ganzen Kreise war das mosaische Gesetz, insbesondere aber das Zeremonialgesetz, eine längst zerbrochene Fessel und die Art des damaligen Gottesdienstes, und hierin hatten sie recht, eine häßliche, inhaltslose Form. Es ist nicht meine Aufgabe, den Geist und das Wirken der Hartwig Wessely, Herz Homberg, Sal. Maimon, Isak Euchel, Markus Herz, Baruch Lindau, der Männer der sogenannten Mendelssohn’schen Schule, darzustellen. Es ist dies von anderer, berufenerer Seite ja früher geschehen, mein Zweck ist nur auf den neuen Geist hinzuweisen, der in das Judentum eingedrungen war und als Sauerteig die ganze dumpfe Masse zur Gärung gebracht hatte. Wenn auch die genannten Männer die Sache zum Teil ganz richtig auffaßten, indem sie vor allem auf die Erziehung der Jugend zu wirken suchten und die deutsche Sprache an Stelle des Jargons zur Grundlage des Unterrichtes machten; die Zeit verlangte etwas, was unmittelbar wirkte. Kurz gesagt, es zeigte sich, daß eine religiöse Reform notwendig geworden war, umsomehr, als ja die äußere Emanzipation doch immer größere Fortschritte machte und allmählich auch die öffentlichen Schulen, Gymnasien und Universitäten den Juden zugänglich wurden. Das sprach vor Allem Zunz am Schlüsse seines grundlegenden Werkes: »Über die gottesdienstlichen Vorträge der Juden« aus: Reform sei die Aufgabe der jüngsten Generation, ihre Aufgabe, in der politischen Stellung, in der Wissenschaft und in der