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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 108

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 108 (sequence 9)
Language
German
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108 Besprechungen. die Bibel anlehnt, mytiscke Dichtung und nicht philosophische Spekulation. Daß die Philosophen des Mittelalters nach einer Anknüpfung im talmudischen Schrifttum suchen, erklärt sich aus dem Bestreben,, ihre Anschauung zu legitimieren und beweist nicht, daß die jüdische Philosophie aus den talmudischen Agadas hervorgegangen ist. Sie ist nicht infolge der Überwindung der Ideenlehre durch die halachische Dialektik entstanden, sondern entspringt, von dem apologetischen Interesse und dem Einfluß des Milieus abgesehen, wie alle Philosophie einem wissenschaftlichen Erkenntnistrieb, der in einzelnen Köpfen durch das Studium der arabisch-aristotelischen Schriften erwacht ist. In seinem Streben, die absolute Einheit des jüdischen Geistes nachzuweisen, begnügt sich N. nicht damit, die mittelalterliche Philosophie aus dem talmudischen Schrifttum abzuleiten, sondern sucht nach den Spuren der Platonischen Ideenlehre auch in der Bibel. Er findet sie im Pentateuch in der Erzählung von der Schöpfung des Menschen im Ebenbilde Gottes und in dem Bericht von dem Urbild des Stiftzeltes, das Gott Mose hat schauen lassen (S. 22). In beiden Fällen hat offenbar das Wort »Bild« den Verfasser irregeführt. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die pentateuchischen Er- Zahlungen falsch verstanden. sind. Von einer Ideenlehre im Penta־ teuch zu sprechen, ist so sinnlos, daß jede Widerlegung sich• erübrigt. Nicht vernünftiger ist die Behauptung, daß Ezechiels Merkaba eine kosmogonische Theorie versucht und Elemente der babylonischen Ideenlehre enthält (S. 74.75). Was unter babylonischer Ideenlehre zu verstehen ist, hat N. nicht verraten. Ezechiels Vision des göttlichen Thronwagens ist schwer zu enträtseln, daß er aber keine selbständige Kosmogonie entwirft, die mit dem ersten Kapitel der Genesis rivalisiert, ist klar. Am einleuchtendsten scheint noch die Auffassung Bertholets zu sein,' der in den Worten des Propheten eine Schi!- derung der göttlichen Allmacht und Allwissenheit erblickt. Ernstere Beachtung verdient die Behauptung, daß in Mischle Gedanken der griechischen Philosophie zu finden sind, wenn man in Betracht zieht, daß die Entstehung dieses Buches angeblich in die Zeit hellenischen Einflusses fällt. Aber auch hier kann von platonischer Ideenlehre nicht die Rede sein (S. 77). Ob die praeexistente »Weisheit« als selbständiges Wesen hypostasiert, oder nur dichterisch personifiziert ist, läßt sich mit Sicherheit nicht entscheiden. Frankenberg neigt in seinem Kommentar zu der letzteren Ansicht. Sie hat viel für sich, wenn man bedenkt, daß auch die »Torheit« in Mischle personifiziert ist. In jedem Falle bedeutet die »Weisheit« nichts anderes, als Thora,, sie ist keineswegs mit dem Phiionischen Logos, dem Inbegriff der

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