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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 104

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 104 (sequence 5)
Language
German
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104 Besprechungen, mittelbar gewiß, sie war ihnen das einzig Sichere und Reale und bedurfte keiner logischen Beweise, und Qott war ihnen niemals nur das sittliche Ideal, sondern zugleich das höchste und einzige Welt• prinzip. Das beweist selbst vom Standpunkt Wellhausens das II, Kapitel der Genesis, das zu den ältesten Teilen des Pentateuch gehört. Nicht erst Jeremia und Ezechiel entwickeln also, wie N. behauptet (S. 17), kosmogonische Lehren, um den Ansturm babylonischer Mythen abzuwehrenj sondern der Schöpfungsgedanke gehört zum Urbestand der mosaischen Religion. Das Streben der Propheten ist aber nicht auf Philosophie, auf begriffliche Erkenntnis, sondern auf sittliche Erziehung gerichtet. Die Schöpfer der Religion und die mittelalterlichen Denker gehören zwei vollkommen getrennten, grundverschiedenen Klassen an, und wenn N. ihr Rangverhältnis umkehrt und die Blüte der jüdischen Religionsgeschichte nicht im Prophetismus, sondern in der klassischen Religionsphilosophie sieht, hat seine Behauptung nur den Wert eines paradoxen Einfalls. Die Grundthese N’s, daß die Geschichte der jüdischen Religion fortschreitende Rationalisierung, Kampf gegen Mythologie bedeutet, widerspricht dem Wesen der Religion. Die Propheten kämpfen nicht gegen das Irrationale, sondern gegen sittliche Irrtümer. Ihre natürliehe Sprache, das notwendige Ausdrucksmittel für ihre Lehren, sind Bilder und Symbole, die aus poetischen Formen leicht selbständige Wesen, also mythisch werden. Mit größerem Recht könnte man demnach behaupten, daß die Geschichte der jüdischen Religion ein Anwachsen mythologischer Vorstellungen auf weist. Der Engelglaube ist im Pentateuch und den prophetisches Büchern im Vergleich zur nachbiblischen Zeit unausgebildet und unbestimmt. Das spricht der Talmud in dem bekannten Satz aus, daß die Namen der Engel au & Babylon stammen. Er ist selbst in der Maimunischen Philosophie nicht überwunden, sondern zu höherer Dignität gelangt. Die separatem Intelligenzen, mit denen Maimonides die Engel gleichsetzt, sind aus dem Weltbilde dieses Denkers weit weniger wegzudenken, als die Engel aus der Gedankenwelt der Bibel. Der Dämonenglaube, dem wir im Talmud so oft begegnen, fehlt in ihr bis auf geringe Spuren» Von phantastischen Messiasvorstellungen ist in ihr weit weniger, als in späterer Zeit zu finden, und die späten apokalyptischen Lehren des Daniel sind nur ein Anfang. Der Grundauffassung Neumarks fehlt also vollkommen die geschichtliche Basis. Er hilft sich damit, daß er zwischen offiziellen Lehren und geduldeten Vorstellungen unterscheidet. Doch ist das sinaitische Bundesbuch;mit seinen zahlreichen Engelgeschichten weniger autoritativ, als das Deuteronomium, das sie angeblich mit klarer Absicht

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