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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 103

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 103 (sequence 4)
Language
German
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Besprechungen. 103 erreicht hat, als vor ihrer dogmatischen Formulierung, wird niemand im Ernst behaupten. Weit eher wird man sagen können, daß alle dogmatische Bindung trotz der größeren gedanklichen Klarheit ein Symptom des Stillstands, oder des Verfalls ist. Die Höherentwickelung der Religion beruht nicht auf ihrer Verbindung mit Philosophie, also auf ihrer begrifflichen Fassung, sondern auf dem Hervortreten neuer religiöser Gedanken. Richtet sich die Verteidigung nicht gegen andere Religionen oder ketzerische Ansichten, sondern gegen die Autorität entgegen• stehender wissenschaftlicher Lehren, dann entstehen reiigionsphilosophische Systeme als Versuche der Harmonisierung und des Ausgleichs. Bedeutung haben sie stets nur für den Kreis der Intellektuellen, und wenn sie ihren Zweck, die Wahrheit der Religion zu erweisen, erfüllen sollen, dürfen sie nicht dogmatisch und autoritativ werden. Sie bleiben dann außerhalb der religiösen Entwickelung und begleiten sie; zugleich spiegelt sich in ihnen die Entwickelung der Wissenschaft. Es ist demnach vollkommen unmöglich, Religion und Religionsphilosophie als auf einander folgende Stufen einer einzigen Ent wicklungsreihe anfzufassen. Wenn Philosophie der Religion ihr Wesen behalten und wissenschaftliche Erkenntnis bleiben soll, muß sie ihren eigenen Weg gehen. Religionsphilosophische Systeme gehören nicht in die Geschichte der Religion, sondern in die der Wissenschaft. Ebenso verkehrt ist es, die Propheten, die Schöpfer der Religion, zu Rationalisten und Aufklärern zu degradieren, deren Aufgabe die Befreiung vom Mythos ist. Ihre ganze Größe beruht darauf, daß sie den Mut haben, ihrem tiefen, schöpferischen Gefühl unbedingt zu trauen, und die ungeheure Wirkung, die sie ausüben, erklärt sich gerade daraus, daß in ihren Reden die leidenschaftliche Erregung des Erlebens zittert und in poetischem Schaffen sich entlädt. VC7enn Neumark darauf hinweist, daß im More Nebuchim aes Maimonides derjenige Prophet für den größten gilt, bei dem im Augenblick der Offenbarung der Verstand seine volle Klarheit sich bewahrt, muß auch betont werden, daß gerade Maimonides mit vollem Recht in der Phantasie das natürliche Organ der Prophetie erblickt. Die Behauptung, daß die Propheten die Begründer der wissenschaftlichen Ethik sind (S.25), oder daß Jcremia den kosmologischen Gottesbeweis zum ersten Male aufstellt (S, 17), zeigen nur zu deutlich, daß der Ver•? fasser das eigentliche Wesen der Religion verkennt und die Grenzen zwischen ihr und philosophischer Erkenntnis in Unklarheit und Nebel verschwinden läßt. Wenn irgend etwas, war Gottes Existenz den Propheten 1ימו

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