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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 102

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 102 (sequence 3)
Language
German
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102 Besprechungen. nun, warum sich das Altertum 2u den mythischen Lehren Platos, das Mittelalter zu Aristoteles hingezogen fühlt. Zwischen ihnen liegt die Zeit der juristisch-logischen Schulung; Wir wissen auch, was unter Mystik zu verstehen ist. Sie ist der Form nach mythisch, dem Inhalte nach Emanationslehre, Merkaba. Diese flüchtige Skizzierung des Inhalts soll nur die wesentliehen Gedanken hervortreten lassen, die philosophischen Grundbegriffe, die auf ihre Richtigkeit hin untersucht werden sollen. Das philologisch-historische Detail soll dann ausführlicher behandelt werden. Eins ist von vornherein klar, N. geht von einem falschen Begriff der Religion aus, er könnte sonst die religiöse Entwickelung nicht in der klassischen Religions Philosophie gipfeln lassen, sodaß Maimonides etwa an die Stelle des Jeremia tritt, und die Propheten die Vorläufer der mittelalterlichen Denker werden. Alle Religionsphilosophie setzt als die begriffliche, wissenschaftliche Bearbeitung religiöser Anschauungen Religion als unabhängiges, selbständiges Phaenomen voraus, und ebensowenig, wie aus einer Religion im Verlaufe ihrer Entwickelung Wissenschaft werden kann, kann ein religionsphilosophisches System der Höhepunkt eines religiöns-geschichtlichen Prozesses werden. Das bedeutet nicht eine völlige Trennung von Religion utiä Religionsphilosophie, sie stehen zweifellos in Beziehung zu einander, nur muß ihr Verhältnis anders bestimmt werden. Religion strebt von sich aus nicht nach philosophischer Formulierung ihrer Lehren, sondern ist sich selbst genug. Erst im Kampf gegen andere Religionen, wenn es darauf ankommt, ihren Lehrinhalt möglichst scharf und deutlich zu entwickeln, damit die Differenzen sichtbar werden, ruft sie die Religionsphilosophie zur Hilfe, die ihr den vieldeutigen Inhalt ihrer Bildersprache in Begriffe faßt. So entstehen dogmatische Begriffe und theologische Systeme. Doch in den Augenblick, in dem sie in den historischen Prozeß der Religion als neue Elemente eintreten, erhalten sie den autoritativen, dogmatischen Charakter religiöser Vorstellungen, das heißt: sie hören auf philosophisch zu sein. Für die Religion aber bedeuten sie keine Höherenfwickelung, sondern im Gegenteil Erstarrung, sodaß alle schöpferische, religiöse Arbeit die festgewordenen Formen der Religion wieder aufzulösen und in Fluß zu bringen hat.Wenn ein Beweis für unsere Ausführungen erbracht werden soll, wird ihre Richtigkeit am leichtesten durch den Hinweis auf die Dogmen der christlichen Religion erkennbar. Sie sind ohne Zweifel, das Resultat religionsphilosophischen Denkens. Doch daß in ihnen die Entwickelung der christlichen Frömmigkeit eine höhere Stufe

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