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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 101

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 101 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 101 zu unterdrücken, nimmt aber mit den Dogma von der Praeexistenz der Thora und dem Auferstehungsglauben neue mythische Vor- Steilungen auf. Unter Bereschith ist die Platonische Ideenlehre, unter Merkaba Engel- und Emanationslehre zu verstehen. Mit der Ideenlehre hängt die Frage nach dem Urstoff zusammen. Das Problem der Ursubstanz wird auch von der Merkaba behandelt, wenn auch die Lösung in beiden eine verschiedene ist. Hier haben wir also, wenn auch in mythischer Form, den Stoff für die Religionsphilosophie des Mittelalters. In tannaitischer Zeit ist die Bereschithlebre von Rabbi Akiba mit der Merkaba verbunden worden. Im Kampf gegen die Karäer, die auf die taimudischen Fabeln hinweisen, um das traditionsgläubige Judentum zu diskreditieren, trennen sich Ideen- und Merkabalehre, und es sind die Vorbedingungen für die Entstehung der klassischen Religions- Philosophie gegeben. Man brauchte nur das in den Jahrhunderte füllenden halachischen Diskussionen erstarkte logische Denken auf die mythischen Agadas anzuwenden und so die Ideenlehre zu überwinden, dann entstanden die philosophischen Systeme der mittelalterliehen Denker. »Die Überwindung der Ideenlehre war der Weg zur Begründung der dialektischen Philosophie im Judentum« (S. 132). Die Platonische Ideenlehre greift nicht erst in der Zeit der letzten Tannaim in die Entwickelung der jüdischen Religion ein, wir finden sie bereits in der Diskussion Hilleis und Schammais über die Frage, wann der Plan zur Weltschöpfung entstanden ist, ganz deutlieh in Mischle, in der Merkabavision des Ezechiel und in einzelnen Erzählungen des Pentateuch. Bereschith und Merkaba haben sich in der Zeit Saadias zu trennen begonnen. Sie streben aber nach ihrer ursprünglichen Einheit. Durch ihre Wiedervereinigung entsteht die Kabbala, die nichts anderes ist, als der weitere Ausbau der alten Merkabavorstellungen. Nicht die neuplatonischen Gedanken, die in ihr verarbeitet sind, sind die Hauptsache und das Charakteristische, sondern die taimudischen und midraschischen Elemente. »Wie bei der Entwickelung der jüdischen Philosophie und der Mystik die Loslösung der Ideenlehre von der Merkaba den Anfang der Philosophie bedeutet, obschon diese mit der Ideenlehre lange noch zu kämpfen hat, so bedeutet auch das Wiedereindringen der Ideenlehre in die Philosophie erst da das Ende der Philosophie, wo mit der Ideenlehre auch die Merkabalehre einzudringen beginnt. Die eigentliche, dialektische Philosophie des Judentums hat mit der Ausscheidung der Merkaba aus der Spekulation begonnen und mit dem Wiedereindringen derselben aufgehört« (S. 209). So lösen sich alle Rätsel der jüdischen Geschichte. Wir wissen

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