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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. 100

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
100 (sequence 1)
Language
German
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D. Neumark: Qeschichie der jiidscbeis Philosophie des Mittelalters. Berlin• Buchhandl. Georg Reimer 1907. 615 S. und XXIV. 8°. Neumark beginnt seine Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters — mit der Bibel. Das ist nicht Geschwätzigkeit, sondern die Konsequenz seiner grundsätzlichen Überzeugung. Das jüdische Geistesleben aller Jahrhunderte ist ihm eine absolute, geschlossene Einheit, sodaß eine einzelne Erscheinung nicht an sich, sondern nur aus den Ganzen heraus verstanden werden kann. Fremde Kulturen, die auf das Judentum eingewirkt haben, erklären niemals irgend ein Phaenomen der jüdischen Geistesgeschichte, sondern sind nur der äußere Anlaß, der mechanische Reiz, der den Genius des jüdischen Volkes zum Hervorbringen seiner eigentümlichen Schöpfungen anregt. Ihre besondere Note erhält die jüdische Geschichte durch das Vorherrschen des Religiösen. Die Entwickelung der Religion Israels aber liegt in der allmählichen Überwindung von Mythologie und Mystik (S. 4). Gegen sie haben die Propheten der Bibel gekämpft, nach ihnen führen Mischna und die genialen Vertreter der talmudischen Dialektik den Kampf weiter, bis die Entwickelung in der klassischen Religionsphilosophie des Mittelalters ihren Gipfelpunkt erreicht. Wenn religiöse Entwickelung gleichbedeutend ist mit dem Kampf gegen Mythologie, dürfen mythische Vorstellungen auf keiner Stufe des geschichtlichen Prozesses fehlen, sonst wäre die Entwickelung zum Abschluß gelangt. Es ist demnach durchaus konsequent, wenn Neumark es unternimmt, in der Bibel und aller späteren religiösen Literatur des Judentums mythische Anschauungen nachzuweisen. Aus dem Gedankenkreis des Pentateuch gehören seiner Ansicht nach der Engelglaube und der die babylonische Ideenlehre reflektierende Mythos von der Erschaffung des Menschen im Ebenbilde Gottes in diese Klasse. Im Deuteronomium hat die mosaische Religion nach langem Kampf diese mythologischen Reste aus der babylonischen Heimat überwunden. Damit ist der Kampf aber nicht beendet. Jeremia ver« teidigt die Reinheit des monotheistischen Glaubens, während Ezechiel nicht nur gegen ihn für den Engelglauben eintritt, sondern durch die visionäre Beschreibung des göttlichen Thronwagens aller späteren Mystik den Stoff giebt. Den Kampf gegen den Engelglauben setzt die Mischna fort, sie versucht auch die Berescbith״ und Merkabalehre

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