Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 20)
- Language
- German
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62 Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien. Frühling) statt und wurde zu.r Erinnerung an die Auffindung des heiligen Kreuzes durch Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, eingerichtet. »Um die Kunde jenes Fundes möglichst schnell von Palästina nach Konstantinopel zu bringen, bediente man sich der Feuersignale und dies zu versinnlichen ist der Hauptzweck der in Abessynien bei diesem Feste gebräuchlichen Zeremonien« (Rüppel a. a. O.). Nach Sonnenuntergang lodern auf allen Hügeln Freudenteuer. Gesellschaften von Männern ziehen umher, von denen jeder Bündel brennender Rohrstengel trägt. Prozessionen der angesehensten Männer (vgl. אנשי מעשי) führen Tänze auf; unter Musikbegleitung, Posaunenschall werden Fackeltänze ausgeführt, Speise und Trank in Überfluß verteilt. Das Wassersprengen ist ja auch in Europa um Ostern Sitte. Die Wasserweihe spielt in der griechisch-katholisehen Kirche noch gegenwärtig eine große Rolle. Die große Wasserweihe findet am FesteEphiphanias statt und wird an einem Flusse abgehalten. Die Ostervigili e, d. h. die Nacht vor dem Oster tage, wurde unter den ersten christlichen Kaisern dadurch gefeiert, daß die Straßen mit Fackel n und riesigen Wachskerzen taghell erleuchtet wurden und man sich der ausgelassenen Osterfreude (dominica gaudia) hingab. Diese Festlichkeiten fanden aber am Frühlingsvollmond, d.h. am ersten Vollmondstag der Fr ühlings-, Tag- und Nachtgleiche, statt. Es ist klar,daß in allen Riten die altheidnischen Sitten passend zugeschnitten und später so umgewandelt worden sind, daß die alten Spuren nur dem forschenden Auge, aber immer noch deutlich genug, erkennbar sind. Der Weg, den diese Sitten gewandert sind, ist ein weiter, und der Zeitraum, der zwischen der heutigen Synagogenfeier des Hoschanah rabba und Tal-Geschem-Kultus und der althebräischen Urzeit einerseits und anderseits zwischen altheidnischer