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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 56

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
Date
1911-01-01
Page
Seite 56 (sequence 14)
Language
German
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Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien. bereichern, un1׳ bis Ende des Monates Tischri Überfluß an Tau zu geben, damit mein Brod fett, mein Möst süß werde. Tau erfülle die in meinem Gebete ausgesprochenen Bitten; wie Regen träufle meine Lehre«. ln diesem Rituale des Pesäch- und Sukkothfestes, das allerdings in dieser Form erst aus dem zehnten Jährhundert stammt, erblicken wir deutlich die unverwischbaren Spuren jener uralten Volks an schau ungen und Volksgebrauche gegen die sich seinerzeit die Sadduzäer vergeblich aufgelehnt hatten. Die alten Pharisäer und späteren Rabbinen haben klugerweise diese starken, lebendigen Triebe der Volksseele erkannt und sie mit den Überlieferungen und Vorschriften der HS. in Einklang zu bringen verstanden, ohne deren Reinheit zu trüben. Das Volk ist eben immer stärker als das Gesetz und das drückt ja der Kanon aus: »Gebrauch entwurzelt Gesetz« (מנהג עוקר הלכה). Von der alten, talmudischen, wie von der späteren, rabbinischen Zeit gilt das, was Büchler (a.a.O.) sagt: Der Sieg des Volkes über die ausschließende Priesters ch aft w urde öffentlich in Begleitung großer Feierlichkeiten vollzogen. Das allein aber genügt nicht zur Erklärung der feierlichen Gebräuche selbst. Wir sind uns darüber klar, daß die Wasseropfer am Hüttenfeste, der Zei t des H er bs tr eg e n s, eben den Regen entweder erwirken oder auch als Himmelssegen verherrlichen sollten. Das Sukkothfest ist Hag im speziellen katexochischen Sinne. חג aber ist im ältesten Sinne Umkreisen des Heiligtums; Jm weiteren Sinne Prozession und Wallfahrt zum Heiligtume und erst in letzter Bedeutung Fest im Allgemeinen. Auch im alten Arabien gab es 2urFrüh- Iing- und Herbstzeit ein Hag, einen Umgang um Regen um den heiligen St ein. Vorzugsweise das Herbstfest hat sowohl bei Arabern ajs auch beiden Hebräern den Namen חג (Wellhausen, Reste usw. S. 141).

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