Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 11)
- Language
- German
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Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien. 53 treibt Wasserdünste zusammen, formt Wolken und leert sie dann als Regengüsse zur Erde aus. Durch diese erquiekende Wasserlabung bekränzt die Erde sich mit Fruchtkränzen ... Auch uns, die wir dir mit allen Kräften anhängen, sei milde gesinnt, o Herr, und verleihe uns des Regens wohltätigen Segen.« Darauf folgt das große Regengebet (גשם), an das sich, charakteristisch genug, ein Gedicht schließt, dessen Strophen die zwölf Monate des Jahres in ihrem Verhältnis zu Regen und Fruchtbarkeit und mit direkter Nennung des Tierkreises behandeln. Die den Monat Tischri besingende Strophe lautet: »Er segne mit den kostbarsten Früchten der Monde, mit edlen Früchten der Bäume; Wasser lasse er aus den Wolken strömen, damit königliche Leckerbissen bereitet werden. Er tränke die Gewächse und lasse im Monate Tisehri ihren Samen aufbrechen. Entziehe von nun das Wasser nicht, auf daß Regenschauer niederbrausen. Nimm das Gebet der Flehenden auf wie das siebentägige Gußopfer. Wasser führe dem Lande zu, daß es dreifach regne. Auf die sonneversengten Pflanzen spende Regen, damit die Wage sich biege unter der Fülle des Getreideertrags«. Wenn ich auch mit Bischoff »Babylonisch-Astrales im Weltbilde des Talmud und Midrasch« (Leipzig 1907!) in vielen Stücken nicht übereinstimme und glaube, daß ,er oft zu weit geht, so hat er doch in vielen Punkten großen Scharfblick bewiesen. Und der astrale Charakter dieser Gebete, die auf uralte talmudische Überlieferungen zurückgehen und im Zusammenhänge unserer Darstellung in besonderem Lichte erscheinen, ist zweifellos. Bischoff sagt ganz richtig: »im Tisehri ist die Sonne soeben in das Sternbild der Wage (מאזנים) getreten; diese aber ist das Symbol des Richtens und zwar vor allem des Richtens über Verdienst und Schuld. Die Rabbinen wissen, daß das Sternbild der Wage mit dem himmlischen Gerichtstage in Verbindung