Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 10)
- Language
- German
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52 Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien. liehen umgewandelt worden. Das haben die ältesten Forscher schon gesehen (vgl. Lipman Heller zu Sukk. IV, 5; Raschi zu Sukk. 45 a und oben). Im Mittelpunkte all dieser Veranstaltungen steht ursprünglich und naturgemäß die Herbstfeier, d. h, die Bitte um Regen. Das scheint auch auszudrücken Sachar. 14, 17: »Wer von den Geschlechtern der Erde nicht nach Jerusalem kommt, sich niederzuwerfen vor dem König, dem Herrn Zebaot — für den fällt nicht der Regen«, Sätze, die am ersten Tage des Sukkothfestes noch heute in den Synagogen gelesen werden. Es mag hier als Ergänzung zu den früheren Angaben über den Lapis manalis hinzugefügt werden, daß in Rom beim Bittfest des aquaelicium die Matronen mit nackten Füßen und aufgelöstem Haare und die Magistrate ohne die Abzeichen ihrer Würde in feierlicher Prozession nach dem Kapitale zogen, ln alter Zeit trat bei dieser Gelegenheit auch der Lapis manalis in Funktion. Die Prozession fand bei anhaltender Dürre statt, wenn um befruchtenden Regen gebetet wurde. (Wissawa, Religion und Kultus der Römer pg. 106.) Am ersten Tage des Festes wird bis heute in das Hauptgebet die oben erwähnte Regehbitte eingeschaltet. Der spätere Ritus, den insbesondere R. Eleasar ben Jakob Kalir (um 910) durch seine Poesieen bereichert hatj hat dann diesen ritualen Gebrauch ausgestaltet und eine ganze Reihe synagogaler Poesien ihm angepaßt, in welcher der uralte Sinn eines Teiles des Herbstfestes neuerdings zum Ausdrucke gelangt. Nur einige wenige Beispiele sollen angeführt werden: »Am achten Tage will ich mein Herz wie Wasser ausschütten«; »am achten Tage werden die Gesetze des befruchtenden Regens bestimmt ob viel, ob wenig«, heißt es im Abendgebetritus, irt der Teiillah, welche der Vorbeter laut vorträgt, heißt es gleich zu Beginn: »Der Af-Bri (Engel des Regens, s. Jahrg. 1910, S. 551)