Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte der Wissenschaft
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
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Die Ghristusmythe des Prof. A. Drews im Uchte d. Wissenschaft. 31 Dementsprechend knüpft er; seine Bekehrungspredigt in Athen an einen heidnischen Brauch an, indem er sagt: »Ich bin hier durchgegiangen׳ und habe eure Gottesdienste gesehen und fand einen Altar,־ darauf war geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch denselben, dem ihr unwissend Gottesdienst tut^1). Daher nimmt es nicht Wunder, wenn noch Justin (um 150) an die Wahrheit der klassischen Mythen glaubt: »In alter Zeit sind die Dämonen in Menschengestalt erschienen und haben mit Frauen Ehebruch getrieben, Knaben geschändet und den Menschen Schreckbilder gezeigt, so daß sie von Furcht gepackt und nicht wissend, daß es böse Dämonen waren, sie Götter nannten und die einzelnen mit dem Namen anredeten, welchen sich ein jeder der Dämonen beilegte^2 3 * * * *). Durch dte Heidehchnsteh, welche hoch unter dem Bärriie der damals vorherrsch enden־ Idee ständen, daß Herrscher von äöttern abstammten und selbst Götter seien, kam auch die Anschauung auf, daß »Gottes Sohn«, Christus, von einer reinen Jungfrau geboren sei. Im Gegensatz zu der klassischen Mythologie, die den Göttern sündhaften Ehebruch mit verheirateten irdischen Frauen zuschrieb, wollten so die Hei־ denchristen den Gedanken an einen Ehebruch nicht aufkommen lassen8). Apostelg. 17, 23. 2) Justin, Apologie I, 5. 3) Übrigens war bereits im Heidentum die göttliche Abstammung häufig mit der Vorstellung der unbefleckten Empfängnis ver« knüpft. Zu Rom durfte niemand zu leugnen wagen, daß Romulus vom Gotte Mars mit der jungfräulichen Rhea Silvia gezeugt war. Die Schüler Platos waren fest überzeugt, daß Perictione als reine Jungfrau durch Apollo Mutter des großen Plato wurde, und daß der Gott selbst diese Abstammung des Kindes ihrem Verlobten Ariston verkündet hatte. Aus der Mythologie erinnere ich nur an die Verbindungen des Zeus mit der jungfräulichen Danae, Leda, Io oder Europa. Die übernatürliehen Geburten behandelt eingehend E. S. Hartland, Legend of Perseus, London 1894. Vol. 1. Auch Buddha wird gemäß einer spä* teren Überlieferung von einer unbefleckten Jungfrau geboren, vgl.