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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 1 · p. Seite 29

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 1
Article
Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte der Wissenschaft
Date
1911-01-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte d. Wissenschaft. 29 für die Welt die an sie sich anknüpfenden Heilsbotschaften heraufgeführt. Von seiner Geburt muß eine neue Zeitrechnung beginnen«1). Nicht nur römische Dichter, sondern auch die Hellenen preisen den Augustus als den Bringer des Weltfriedens, als Heiland2). Plinius, der zur Zeit des Kaisers Vespasianus lebte, hält es für ganz selbstverständlich, daß man wohlverdiente Kaiser für Gottheiten erklärt. Er sagt (Historia nat. 11, 7) betreffs der römischen Kaiser: »Solche Männer unter die Gottheiten zu versetzen, ist eine uralte Sitte der Dankbarkeit gegen hochverdiente Männer, und gewiß sind auch die Namen aller anderen Götter von solchen verdienstvollen Menschen hergenommen«3). Kaiser Domitian, Sohn des Vespasian, nennt sich auch ©soü u 16; »Sohn Gottes«4 5). Aurelian hat sich ebenfalls als Deus anbeten lassen6). Diese Vorstellung von der heilbringenden, göttlichen Macht haftete so stets an den Namen Kaiser. Die Überlieferung des Midrasch Tanchuma (zu 1 Mos. c. 2), daß der römische Kaiser, nachdem er sich alle Reiche unterworfen hatte, sich für einen Gott erklärte, beruht somit auf Wahrheit. Diese heidnische Auffassung, daß der Mensch ein Gott werden könne, hält der Midrasch für eine Gotteslästerung. Er sagt, selbst Elias, der so viele Wunder getan hätte, habe sich nicht für einen Gott gehalten. »Wer sich für einen Gott erklärt, baut gleichsam einen Palast im l) So feiert eine ans dem Jahre 9 v. Chr. stammende Inschrift den Augustus, vgl. Mommsen u. v. Wilamowitz im Deutsch. Arcb. Inst. 23, Heft 3; Christi. Welt 1899, Nr. 51. *) Vgl. Ancient greek Inscr. in the British Mus. Nr. 894. 3) Eine ähnliche Vorstellung existiert im Buddhismus. So kann der Mensch vermöge seines frommen Lebenswandels in der nächsten Geburt in der Götterwelt als Gott.wiedergeboren werden. Ein Gott kann aber wegen einer begangenen Sünde wieder als ein Mensch, ja als ein Tier geboren werden (vgl. R. Pischel, Leben u. Lehre Buddhas, Leipzig 1906, S. 54). «) Vgl. C. M. Kaufmann, Handbuch d. christl. Arch., S. 294. 5) Wendland, Die hellen.-röm. Kultur, S. 93.

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