Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte der Wissenschaft
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
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28 Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte d. Wissenschaft. von einem göttlichen Königtum wurden die Griechen und Römer seit Alexander d. Großen recht vertraut. Seleukos wird z. B. als Zsö? vixac-rtop, sein Sohn als ,Awloxo? ’A7r6XX0>v owTnp anerkannt1). Der Hymnus, den die Athener zu Ehren des siegreichen Demetrios Poliorketes (307 v. Chr.) dichteten, enthält diese Vorstellung von dem Gottsein eines Fürsten: »Wie die Sonne und die lieben Sterne erscheint er ihnen mit seinen Genossen als Sohn Poseidons und der Aphrodite. Die anderen Götter sind ja doch weit fort, sind überhaupt nicht oder hören uns nicht. Dich aber sehen wir Auge in Auge, nicht Holz oder Stein, sondern leibhaftig; darum beten wir zu dir: gib uns Frieden, denn du bist der Herr«2 *). Antiochos II. wird von den Milesiern, die er 258 v. Chr. von der Tyrannis befreit, 086? »Gott« genannt8). Man erblickte allgemein in dem siegreichen Fürsten, der den Staat aus einer großen Gefahr gerettet hat und ihm Frieden und Heil gebracht hat, den göttlichen Heiland (<70ro1p). Die Diadochen heißen <1e»Tfips; »Heilande« und ebenso ihre Nachfolger, die römischen Statthalter4). Unter den Römern wird zuerst Cäsar als Weltheiland verherrlicht5 *). H. Lietzmann hat in seiner Schrift: Der Weltheiland (Bonn 1909) ausgeführt, daß besonders der römische Dichter Vergil das Ideal eines königlichen Heilands für das römische Reich herbeigesehnt hatte. Gemäß der vierten Ekloge Vergils wird ein göttlicher König, ein Sohn Jupiters, den Völkern als ihr Heiland, den sehnlichst erwarteten Frieden bringen. Bald sah man auch in Augustus diesen göttlichen König, den Retter der Welt, mit dessen Geburt eine neue Ära hereingebrochen ist. »Der Geburtstag des Gottes hat l) S. Dittenberger, Orientis Iascr. 457, Rohdes, Psyche II4, S. 359, Anm. 5; S. 375, Anm. 1. *) P. Wendland, Die hellenisch-römische Cultur, S. 75. ®) Vgl. R. Herzog, Sitz. d. Preuß. Ak. Wiss. 1905, S. 984. 4) Vgl. z. B. Cicero in Verrem III, II. 63, 154. 6) Dittenberger, Syll. inscr. Gr. I, nr. 347, vgl. auch O. Hirschfeld: Zur Gesch. d. röm. Kaiserkultus, S. Preuß. Ak. Wiss. 1888, p. 833 ff.