Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte der Wissenschaft
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte d. Wissenschaft. des Judentums entziehen konnten1). Der dem syrischen Kulte eigentümliche Glaube, daß der Sonnengott die frommen Seelen zum Himmel führe (vgl. F. Cumont: Die oriental Religion, Leipzig 1910, S. 292), ist auch von den Mithramysterien übernommen, so daß Mithra einerseits zum psychopompen Gott wurde, andererseits mit dem Heiland identifiziert wurde®), der am Ende der Zeiten alle Menschen auferwecken und den Frommen den wunderbaren Trank der Unsterblichkeit reichen wird. Die Idee des leidenden Messias hat das Christentum aus dem Judentum genommen. Nach Talmud Sukka 52 a wird vor dem Auftreten des Messias ben David ein Vorläufer erscheinen, nämlich M essias ben Josef, der im Kampfe gegen die Bösen fallen wird. Diese Anschauung hat ihren Ursprung in Jes. 53, 2—10, wo von einem leidenden und sterbenden Heiland die Rede ist. »Nur unsere Leiden trug er, und unsere Schmerzen lud er sich auf... Strafe traf ihn zu unserem Heile, und durch seine Wunden sind wir genesen« (vgL auch Sanhedrin 98 b). Darum erscheint auch Jesus als Sohn des Josef. Gerade zur Zeit des Herodes war eine sehnsuchtsvolle Erwartung nach dem Messias eingetreten. Manche wollten sogar Johannes den Täufer für den Messias ansehen (vgl. Lucas 3, 15). Talmudische Quellen aus dem Jahre 100 n. Chr. bezeichnen Jesus als den Sohn des Pantera (bezw. Pandera) aus Nazareth. Zur Zeit des Rabbi Akiba und Ismael wird ein Jünger Jesu erwähnt, der im Namen des Je§ü‘a ben Pantera zu heilen pflegte (vgl. H. L. Strack, Jesus nach den ältesten jüdischen Angaben, 1910, S. 21 u. 23 f.). Auch der Kirchenvater Origenes (um 200 n. Chr.) bestätigt, daß die Juden Jesus für den Sohn des Hxvtvjp«. *) Siehe hierüber meine Abhandlung imArch, f. Religionswiss. 1411. Heft 3, Abschnitt 8. a) Vgl. F. Cumont, Les mysteres de Mithra I (Paris 1894), p. 310.