Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte der Wissenschaft
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Christiismythe des Pi־öf. A. Drews im Uchte 4. Wissenschaft. 7 unseres Mannes der Wissenschaft. Nach ihm soll zunächst der Heilland Säo&hyaht kein anderer seih als der Gott Mithra selbst und zugleich der himmlische Stier. Wie kann dieses nür möglich sein, da doch der Messias den Stier sfchTäcfttet? Üm diesen Gott Mithra dann mit den Christus- Erzählungen in völlige Übereinstimmung zu bringen,, läßt Drews den Mithra von einer jungfräulichen Mütter Mihr abstammen. Er Sagt (S. 78): *Beiden Persern erscheint die jungfräuliche Mütter M ithras Unter dem Namen Mihr, was ebensowohl »Himmel« wie »Liebe« bedeutet.« Allein diese Aufstellung fest ganz unmöglich, denn Mihr. ist die regelrechte mittelpersische und neuptrsische Laütentwickiünjg des altpersischeh Wortes Mithra. Demnach verhält sich Mihr zu Mithra wie neUenglisch brain zu altenglisch: b ree gen. Mihr ist lautlich wenigstens, über 600: Jahre jünger als altpersisch Mithira und bedeutet zunächst ebenso wie das attpersische Wort »Freundschaft, Gott Mithra«, ferner »Liebe, Sonne« (aber niemals »Hinimel«). baß aber der männliche Mihr gleichzeitig die jungfräuliche Mutter seiner eigenen Person sei und er außerdem wenigstens 600 Jahre älter als seine Mutter sei, ist nichts anderes als eine bloße Erfindung des Herrn Professor Drews. Nicht Mithra, sondern der Messias wird vielmehr nach dem Parsismus von einer Jüngfrau geboren, die sich in einem See badet, in Welchem etwas vom Samen dös Zarathustra aufbewahrt ist (vgl. Grdr. d. Iran. Phil. 11, p. 586; EpiStles of ManuSäihttf II, 3, 3; Dad i-6ihik 2, 10; 48, 80). Gerade die aus dem Parsismus hevorgegangenen Mithramysterien sind erst gegen Ende des ersten Jahrtmnderts n. Chr. zu den Römern gelangt. Sie sind nicht direkt von Persien nach Europa eingedruhgen, sondern über Mesopotamien und Kleinasien, so daß sie nicht nur babyionische und syrische Anschauungen in sich aUfgenommen haben, sondern auch entsprechend den übrigen spätorientalischen Kulten sich nicht dem monotheistischen Einflüsse