Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Christusmythe des Prof. A. Drews im Lichte der Wissenschaft
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Die Christusmythe dss Prof. Ä. Drew« im Lichte & Wissenschaft. verschiedeheh F0frheh düftritt, DieSe hachchtistlichen Mysterien sind mehr oder weniger vom Judentum beeihfltfßt. Gern Parsismus, mit dem allein das Judentum in nähere־ I&ziehürig getreten ist, ist di,e Auffassung, daß der Gött Mithra beim Jüngsten Gerichte als Heiland (S a 0 s hy a n t) auftrete, vollständig fremd. Herr Drews aber vkrsteigt sich sogar zu der Behauptuhg, daß »nach persischem Glauben Mithra der leidende Erlöser ürid Mittler zwischen Gott und Welt« ־wäre (Drews S. 45). Er sagt: (S. 93) »Aber auch Mithra opfert sich für die Menschheit, dehn der Stier, dessen Tötung: durch den Gott im Mittelpunkt aller kultischen Darstellungen des Mithra steht, ist ursprünglich kein anderer als Mithra selbst.« Dieses sein eigenes Phantasiestück stützt sich weder auf die religiösen Schriften der alten Perser noch auf die nach- Christliche Pehlevi-Literatur der SasSahiden, in denen die ZkrathUSträ-Religiori weiter ausgebildet ist. Ein mittelpersiches Werk aus der Sassahiäenzeit berichtet nur, daß der Messias Saoshyanf, unterstützt von seinen Assistenten, äih Ende der Zeiten den himmlischen Stier Hadayosh, mit dem die ersteh Menschen ursprünglich von einer Gegend zür andern reisten, schlachten werde. Aus dem Fett dieses Stieres wird er dann den Unsterblichkeitstrank hersteilen, den er hierauf allen Frommen, verabreichen wird (s. Bundahish 19,13; 30, 25). Auch in dem nachchristlichen Mithraskalt spielt dieser Ünstefblichkeitstrank, der aus dem Fette deS himmlischen Stieres gewönnen wird, eine große Rolle (vgl. A. Dieterich: Bonner Jahrh. 1902 S.; 82). Das altpersische Religionsbuch Avesta aber kennt diese Vorstellung überhaupt noch nicht. Dort wird hur ein himmlischer Stier genannt, welcher der Anwalt der irdischen Rinder ist. So oft die irdischen Rinder von den Menschen mißhandelt werden, fleht er die Hilfe Ahuramazdas an (Yasna 29; Bundahish c 4). Man Überblicke nun nochmals die Behauptungen