Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 115 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829827-2829829-2846755--37699-2846897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen. 115 schaft diese Fiktion unmöglich machte, aber sofort an ihre Stelle der etwas engere Begriff der »Germanen« trat, worunter man Individuen von hohen Wuchs, langem Schädelbau, blondem Haar und blauen Augen verstand. Auf der einen Sette hat man nun in ganz unwissenschaftlicher und unkritischer Weise überall, wo man nur eines der Kennzeichen fand, z. B. blonde Haare an einem altägyptisehen Königshaupt, sofort Germanenblut gewitteit und die alles erklärende »Invasion nordischer Eroberer« einfach hinzukonstruiert. Andere, klügere, sahen ein, daß nach dem Maßstab dieser Qualitäten gemessen, viele, ja die Mehrzahl der heutigen Deutschen keine Germanen seien. Da kam nun als neue Hilfshypothese: in allen heutigen europäischen Völkern steckt Germanenblut. Dieses allein ist der Träger und Förderer ihrer Kultur; je mehr solcher blonden blauäugige Langschädel vorhanden seien, um so höher sei die betreffende Nation zu weiten. Diese Theorie wurde übrigens auch auf die Juden mitausgedehnt, auch in sie sei Germanenblut eingedrungen, wie die Blonden unter ihnen beweisen. Gegenüber den mannigfachen Versuchen, innerhalb der heutigen Juden verschiedene »Rassen« zu unterscheiden, insbesondere zwischen den Sephardim und den Aschkenasim, wird überzeugend nachgewiesendaß beide Zweige und überhaupt sämtliche auf der ganzen Erde wohnenden heutigen Juden anthropologisch einheitlich sind. Sie sind übrigens Kurzschädel, haben zirka 20 Prozent Blonde unter sich, über 50 Prozent Dunkeläugige und haben insbesonders in dem Gesichts- und Bewegungshabitus einen einheitlichen und charakteristischen Typus, weshalb bekanntlich jeder Jude den anderen als solchen zu er״ kennen vermag. Abweichend ist nur die Körpergröße, die in Europa zwischen 160 und 170 cm. differiert, wobei die größten Juden sich unter den größten Wirtsvölkern (Schottland, Skandinavien), die kleinsten sich in den Ländern der kleinsten Wirtsvölker finden. Diese »Anpassung« ist oft fälschlich auf Bluisvermischung durch Mischehferi bezogen worden. Verfasser weist mit Recht darauf hin, daß das Milieu als Körpergröße regulierender Faktor die Übereinstimmung sehr wohl zu erklären' vermag. Ebenfalls auf Milieuwirkung, irisbfesondere auf Ausdehnung des Schädels durch Gehirnwachstüm^ führt Verfasser die bei allen Völkern beobachtete Zunahme der Rundschädel und Abnahme der Langschädel zurück An Orten, wo heute der Rundschädel nahezu ausschließlich dominiert; haben ausgegrabene Schädel gezeigt, daß die Ahnen der heute lebenden Bevölkerungen* vor nicht gar zu langer Zeit noch überwiegend^ LangschädeT wären. Auch gewisse Beobachtungen in Säugling'sklihiken sprechen für die Plastizität des menschlichen Schädels, dessen Form durch eftis klein״ 8*"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.