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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 112

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 112 (sequence 10)
Language
German
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112 Besprechungen. Jahrhunderts oder vielmehr, ohne eine bestimmte Jahreszahl festzuhalten, bis in das letzte Jahr selbst hinein. Den Leser wird es da oft genug eigenartig berühren, daß die noch fließende Stunde schon historisch registriert ist. Geschichte ist doch nun einmal Darstellung des Geschehenen und Vergangenen, und ein zu nahes Heranschieben an die Gegenwart verstärkt die Gefahr der Abgabe von Werturteilen, für die jede folgende Stunde wieder eine Aufhebung und Korrektur erzwingt. Geschichtliche Darstellungen und Urteile sollten gewissermaßen sub specie aeternitatis gegeben werden. Auch die Geschichte einer neuesten Zeit muß von einem gewissen Ewigkeitshorizont umgeben sein. Häufige Hinweise Philippsons — besonders im ersten Band — auf das vorübergehende Jetzt werden später nicht mehr verstanden werden und reißen auch heute schon unwillkürlich den Leser aus dem historischen Bannkreis heraus. Wie leicht solche Hinweise auf das Jetzt später mißverstanden werden können, hat Philippson selbst bei Graetz empfunden; er tut aber dabei diesem wieder Unrecht (S. 355), da bei Erscheinen des XI. Bandes der Graetzschen Geschichte 1870 Cremieux tatsächlich 74 Jahre alt war. Die Stelle S. 155 über Graetz ist übrigens gleichfalls leicht mißzuverstehen; im Ausdruck »der grimme Hasser aller »seiner« Gegner« wird wohl der Leser unwillkürlich das י sein« auf Graetz selbst beziehen, während es sich offenbar auf die Gegner des jüdischen Wesens beziehen soll. S. 166 Toynbee Hallen haben schon vor dem Zionismus die Bue Bris-Logen geschaffen. S. 168 gibt es ein falsches Bild von Weißens Dor Dor we־Dorschow, wenn dieses Werk als von streng orthodoxem Standpunkt aus geschrieben charakterisiert wird. S. 173 muß es Moritz Rosenfeld statt Sternfeld heißen. Im übrigen geben gerade die einzelnen Kapitel dieses sechsten Buches ein vortreffliches Bild der Wendung, die das Judentum in sich und nach außen hin in der modernen Zeit gewonnen hat. Das praktische Judentum (Kap. 1) erhält zum erstenmal seinen Platz in der Geschichte, wenn es auch nicht richtig ist, daß hier — vgl. oben über Berlin im ersten Band — wieder die norddeutsehen Juden zum Elitekorps dieses praktischen Judentums erhoben werden (S. 150). Die Geschichte des Zionismus (Kap. 2) findet S. 167 eine Beurteilung, der auch die Gegner desselben sich anschließen dürfen. Kapitel 3 verfolgt den Fortgang der Reformbewegung im Sinne der bereits gekennzeichneten Beurteilung des ersten Bandes. Nach Fortführung der äußeren Geschichte in den Einzelländern bis in das Jahr 1909 hinein (Kap. 4) mit vielen treffenden allgemeinen Reflexionen stellen Kap. 5 u. 6 wieder ganz neue Abschnitte in der jüdischen Historik dar: die Lebensbedingungen des jüdischen Stammes und die Juden im Leben der Völker. Sie fußen auf den Ergebnissen der Sta-

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