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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 111 (sequence 9)
Language
German
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Besprechungen. 11* handelt im fünf ten Buch den Antisemitismus, im sechsten das europäische und amerikanische Judentum an der Wende des neunzehnten Jahrhunderts und führt damit mitten in die treibenden Fragen der modernen Judenheit hinein. Hier zeigt sich der Verfasser auf seiner vollen Höhe. Die gewissenhafte Ausnützung der Quellen und der neuesten Hilfsmittel der Geschichtswissenschaft, wie z. B. der Statistik, die Sicherheit, mit der er auf geradem Wege durch die Verwicklungen der sozialen und kulturellen Fragen hindurchleitet, die Ruhe des Ur~ teils, die knappe und doch eindringliche Sprache, die so oft durch ihre Satyre erfrischt und durch die Wärme allgemeiner Betrachtungen, erhebt, treten als Vorzüge aufs stärkste hervor. Zum erstenmal« in der jüdischen Geschichtsschreibung ist in diesem Band in die allgemeine Darstellung auch eine geschlossene Behandlung wirtschaftlicher und kultureller Fragen eingeschoben, wie sie in der modernen Ge- Schichtswissenschaft nicht mehr fehlen darf, seitdem diese — mit Recht — an erster Stelle als sozialpsychologische Wissenschaft erklärt worden ist, und wie sie bei einem Manne umso mehr zu erwarten war, der gleich dem Verfasser selber an der praktischen Lösung dieser Fragen sich eifrigst betätigt. Mit ausgezeichneter Verarbeitung des Einzelmaterials ist schon in deii drei ersten Kapiteln des fünften Buches die Geschichte des Antisemitismus in Deutschland (Kap. 1), Österreich-Ungarn (Kap. 2), Frankreich und anderen Ländern (Kap. 3) gezeichnet, die erste wissenschaftliche Darstellung dieser Reaktion gegen die Gleichberechtigung des Judentums. Wer sich über Entstehung, Ursachen und Ziele, Ent- und Verwicklung der tristen antisemitischen Bewegung orientieren will, wird fortan an Philippson einen vorzüglichen Führer und Beurteiler besitzen. (Der S. 57 genannte Schriftsteller heißt übrigens Jaeger und ist protestantischer, nicht katholischer Geistlicher). Mit Recht ist auch überall dabei die Haltung der Juden selber dem Antisemitismus gegenüber mit in Be« tracht gezogen. Man merkt dem eifrigen Mitstreiter für die kraftvolle Selbstvertrefung der Juden den Stolz an, mit dem er auf das Ver״ halten seiner Brüder in Deutschland blickt, und die Beschämung, mit der ihn der Mangel an Selbstvertrauen und Selbstwehr in! Ausland erfüllt (S. 65, 88, 91, 111). Einige besondere Betrachtungen sind in Kap. 4 den Angriffen auf das Schächten und in Kap. 5 den Judentaufen gewidmet. Das Urteil über die Tierschuizvereine (S. 123) ist zu hart; es gibt auch vorurteilslose Vereine und Tierschützler, die durchaus unterschreiben, was Philippson am Schlüsse (S. 128) treffend ausführt. Sehr gut sind auch die Ausführungen über das traurige Kapitel der Judentaufen. Das sechste Buch führt bis an die Wende des neunzehntem

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