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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 110

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 110 (sequence 8)
Language
German
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110 Besprechungen. verfolgte als die Ausbildung von Rabbinern. Auch sonst hätten die auf die Stellung der Rabbiner und die Tätigkeit der Rabbinerversammlungen bezüglichen Urteile einer Ergänzung bedurft, um — gerade in einer für p o pulär e Zwecke bestimmten Schrift — nicht falsche Anschau־ ungen in den Augen der Leser zu erwecken. Daß die Rabbinerver- Sammlungen keine augenblicklichen praktischen Erfolge haften (S. 351 u. 6.) ist wahr; daß sie aber für die praktische religiöse Weiter entwicklung gewisse Richtlinien dauernd festgelegt haben, mußte gesagt werden. Würde es bei einer Darstellung der Tätigkeit der Propheten genügen zu sagen, daß sie keine praktischen Augenblickserfolge hatten? Daß ein Unterschied besteht zwischen der jü~ dischen Religionsgemeinschaft, die auf der Gemeinde beruht, und den christlichen, die in größerem oder geringerem Maße Priesterkirchen sind (S. 370), ist wiederum wahr, und die Schaffung geistlicher Hierarchien im Judentum wird von Philippson mit allem Nachdruck und mit allem Recht bekämpft. Aber um ein getreues Bild zu geben, hätte ebenso mit allem Nachdruck hinzugefügt oder irgendwo bei der Darstellung dieser religiösen Bewegungen ausgesprochen werden müssen, daß es ebensowenig dem Wesen des Judentums entsprach, wenn der Rabbiner als berufener religiöser Sachverständiger in den preußischen Gemeinden völlig ausgeschaltet wurde und jedes Votum in religiösen Dingen zuletzt zulässig erschien, nur nicht dasjenige der zur Leitung des religiösen Gemeindelebens berufenen Theologen. Und an der wiederholt konstatierten Tatsache (S. 352, 389), daß der Jude seine individuelle Überzeugung keiner Autorität unterwerfen wolle, hätte gerade vom Historiker Kritik geübt und am Fortlauf der Geschichte gezeigt werden können und müssen, daß darin für die religiöse Fortentwicklung kein Segen liegt und das Wesen des Judentums ebenso wenig darin zum Ausdruck kommt, wie in den trefflich gekennzeichneten Anschauungen der Alt- und Neu-Orthodoxie (S. 347, 353). An solchen trefflichen kritischen Bemerkungen und allgemeinen Hinweisen fehlt es ja auch sonst in diesem Abschnitt nicht (z. B. S. 369, 378, 384), in dem zum Schlüsse auf das schöne, den ganzen Inhalt berührende Wort hingewiesen sei (S. 381): *Es ist doch etwas Großes, daß, während früher allenthalben um jedes Titelchen von Recht und Lebensbetätigung für die Israeliten gefeilscht wurde, sie am Ende der sechziger Jahre das ganze Recht widerstandslos erhielten. Diese Betätigung des Rechtssinnes und der aufrichtigen Liebe zur Freiheit bildet ein Ruhmesblatt in der Geschichte der damaligen Generation in Europa!« Umso schärfer wirkt danach die Geschichte des Rückschlags, mit der der zweite Band des Philippsonschen Werkes anhebt, Er be-

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