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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 105

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1910-01-01
Page
Seite 105 (sequence 3)
Language
German
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Besprechungen. 105 zu geben, eine Aufgabe, die für einen an fachwissenschaftliche Arbeit gewöhnten Forscher als keine so leichte erscheint. Philippson ist ihr durchaus gerecht worden. Die beiden Bände seiner Geschichte lesen sich trefflich auch für den Laien, vermeiden allen gelehrten Wulst und Schwulst — die Quellennachweise sind nicht in Anmerkungen, sondern am Schlüsse jedes Bandes zusammengestellt — und lassen doch überall die eingehende und selbständige Arbeit des Fachmannes erkennen, der vielfach sogar selber erst die Quellen erschließen mußte. Gewiß für den zweiten Band, dessen Inhalt mühselig zum erstenmal aus Zeitungen, Zeitschriften, Berichten und fliegender Literatur zu« sammenzustellen war, und zu dem die eigenen Erfahrungen des Ver« fassers in der Heimat und auf Reisen, sowie die gern gewährte Beihülfe von Spezialforschern manche unentbehrliche Ergänzung schufen. Für den größeren Teil des ersten Bandes waren wenigstens Wegweiser in verschiedenen geschlossenen Darstellungen vorhanden, darunter diejenigen von Jost und Graetz, von denen Philippson freilich mit Recht hervorhebt, daß sie den heutigen Anforderungen an die historische Schilderung der jüngsten Vergangenheit nicht entsprechen, denen er aber Unrecht tut, wenn er sie, als von Theologen geschrieben, mit dem Stolze des Fachhistorikers nicht für ganz voll ansieht, da ihre Stärke gerade in der historischen und nicht in der theologischen Breitseite lag, doppelt Unrecht, wenn er einem Graetz außer dem bereits vorhin charakterisierten Vorwurf der Parteilichkeit auch noch den mangelnder Sachkenntnis und Kritik (I, 393) zuschleudert. Bei allen Mängeln des Graetzschen Werkes — ein solches Abtun schlecht* hin e^hießt weit über das berechtigte Maß und Ziel hinaus. * Die Anordnung seines Buches hat Philippson so getroffen, daß er in! e r s t e n Bande die Geschichte des jüdischen Volkes in Mittel- und Westeuropa bis vor den Beginn der antisemitischen Bewegung, also ungefähr bis 1875, behandelt, im zweiten Bande sie in diesen Ländern, bis zur Jetztzeit fortführt und die Geschichte der Juden im Orient beifügt. Der noch ausstehende dritte Band soll die durch die fremden Idiome für die Quellenforschung besonders schwierige Schilderung der Verhältnisse in Polen und Rußland bringen. Der erste Band ist in vier Bücher von je drei Kapiteln zerlegt, die 1. das Zeitalter der Revolution und des Kaiserreiches, 2. das der Reaktion 1815—1830, 3. die Reformbestrebungen in Westnnd Mitteleuropa und endlich 4. die Emanzipation in diesen Landstrichen umfassen. Im Zeitalter der Revolution und des Kaiserreichs werden die Vorgänge in Frankreich und ihre Einwirkung auf die Lage der Juden in den benachbarten und übrigen europäischen Ländern ge«

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