Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 54 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Memorandum der russischen Regierung
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Ein Memorandum der russischen Regierung. g) Es sollen jüdische Gouvernementsrabbin e r ernannt, geeignete Personen dafür ausgebildet und Listen über dieselben vom Ministerium für Volksaufklärung geführt werden. h) Innerhalb einer bestimmten Frist muß die jüdische Tracht mit der landesüblichen vertauscht werden. Ad 2. Die Institution des Kahal soll aufgelöst und das Steuersystem von Grund auf reformiert werden. Die Funktionen der aufgelösten Kahals sollen dem Magistrat und der städtischen Duma übertragen und für die Steuereinhebung Beamte ernannt werden, so daß die Bildung eines Beth~Din oder überhaupt der jüdischen Gerichte vermieden wird. An dem bisherigen Steuersystem werden zwei Momente besonders bemängelt. Erstens die Tatsache, daß die Kahals durch die Steuervorschreibung die Juden in unbegrenzter Abhängigkeit von sich zu erhalten wissen, zwei* tens der Mangel einer solidarischen Bürgschaft der Zahlungspflichtigen für die Pünktlichkeit der Ablieferung, wodurch eine große Mißwirtschaft eingerissen sei. Darum soll die Einführung einer allgemeinen Steuer für die Juden wenigstens in Erwägung gezogen werden. Die Erträgnisse der Fleischsteuer sollen zum Unterhalte der religiösen Institution, zur Errichtung jüdischer Schulen, für Aufkiärungsbestrebungen und Gründung eines Reservekapitals verwendet werden. Sehr vorsichtig will die Regierung in Bezug auf die der Fleischsteuer unterliegenden Objekte Vorgehen. Hier bleiben die Bestimmungen des Statuts vom 25. Oktober aufrecht, um einerseits die Steuerlast nicht zu vermehren, andererseits kein unnötiges Mißtrauen gegen neue Maßnahmen zu erwecken. Am Schlüße werden einige Maßnahmen erörtert, welche sur Durchführung des Entwurfes dienen sollen. Diese Vorschlüge sind folgende: 1. Die Juden sollen nach zwei Klassen unterschieden