Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 1
Article
Ein Memorandum der russischen Regierung
Date
1910-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829827-2829829-2846746--37581-2846787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Memorandum der rassischen Regierung« 5 gesammelten (daher der Name horobotschni sbor) Abgabe keine Klarheit zu erlangen sei. 4. Die besondere Tracht der Juden bildet gleichfalls ein wichtiges Hindernis für die Anpassung an ihr Milieü. Die Folgen dieser Zustände erblickt die Regierung in den zahlreichen, von den Juden geradezu monopolisierten Handelszweigen, ihrem betrügerischen Gebaren in mate- Hellen Fragen, dem Warenschmuggel und endlich in den Steuerhinterziehungen. Trotzdem lebt ein großer Teil der Juden in Armut, während auch die Reichen dem Staat mehr Schaden als Vorteile eintragen. Die jüdischen Unternehmer hätten nämlich alle Industriezweige in kleine Spekulationsgeschäfte derart atomisiert, daß alle größer angelegten Pläne der Regierung schon aus diesem Grunde scheitern müßten. Nun hatte die Regierung versucht, durch Einschränkungen der Gewerbefreiheit und Freizügigkeit den von ihr als Grundübel angesehenen Erscheinungen entgegenzutreten. Zu diesem Zwecke wurde 1809 ein Komite eingesetzt, welches das Judenstatut von 1804 revidieren sollte. Da es 9 Jahre hindurch nicht funktionierte, wurde es 1818 aufgelöst; später nahmen 2 Komites seine Agenden wieder auf. Hier gibt die Regierung die Erfolglosigkeit des Militärgesetzes von 1827 offen zu, und unterzieht die einzelnen Punkte des zweiten Judenstatuts vom 13. April 1835 einer Kritik. Dieses Statut enthielt zunächst eine Reihe von polizeilichen Vorschriften, die sich hauptsächlich auf die äußere Form des Gottesdienstes, die Freizügigkeit und dergleichen »organisatorische« Fragen bezogen. Dann wurde den Juden die Erlaubnis erteilt, in den Ackerbaustand einzutreten. Aber diese Versuche haben sich nicht bewährt, da es einerseits an der »moralischen Förderung« dieser Bestrebungen fehlte, andererseits die Juden im Bürgerstände verblieben und sich weiter der Kleinindustrie zuwandten. Den geringsten Erfolg erzielte die Regierung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.