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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 117

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 117 (sequence 4)
Language
German
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.Besprechungen. 117 und, im Wege der Überlieferung, die mündliche Lehrer bildet«. Nur aas beiden zusammengenommen, aus Tora und Talmud, kann man eine richtige Vorstellung vom Wesen des Judentums gewinnen. Auf die erwähnte »religionsbildende Kraft« des jüdischen Volksgeistes, durch die sich dies Volk vor allen Völkern auszeichne, legt der Verfasser großen Wert. Sie befähigte das Volk zur Entgegennähme der göttlichen Offenbarung, so daß man seine Religion auch als ein Produkt des Volksgeistes bezeichnen kann. »Ohne Israel gäbe es keine Tora, lehre in ähnlichem Sinne Jehuda Halevi. Diese Kraft hat dem jüdischen Volke die Erkenntnis der Einheit, Einzigkeit und sinnlichen Unvorstellbarkeit Gottes und seines väterlichen Verhältnisses zu seinen Kindern, den Menschen, frühzeitig vermittelt, und diese grundsätzliche Verschiedenheit der jüdischen von der heidnischen Gottes- Vorstellung ist jüdische Familientradition von altersher. Es ist bezeichnend, daß nur von einem Gotte Abrahams, Isaaks undjakobs, aber nirgends von einem Gotte Moses die Rede ist. Sein auszeichnendes Attribut ist vornehmlich bis auf den heutigen Tag »unser Lehrer«. Das Lehramt übten auch die Priester, Leviten und zu ihrer Zeit die Richter. Lehrer sind auch die Propheten und ihre Nachfolger die Schriftgeiehrten, die Rabbinen. Das Buch ,תורד heißt Lehre und ist erst durch den antinomistischen Apostel Paulus — oder richtiger durch die Hellenisten, vgl. Septuaginta, Philo, Josephus — zu dem Namen Gesetz gelangt. Man vergesse nicht, daß bei den Griechen das Wort v0(/.0$ nicht ursprünglich, und auch später nicht ausschließlieh, »Gesetz«, »Satzung« bezeichnet, sondern mehr »Herkommen«, »Sitte und Art«, »herrschende Meinung«. Nach Güdemann hätten die Hellenisten diese Bezeichnung mit Bedacht für das Wort תורה gewählt, weil er dem autoritativen Charakter besser entsprach als das Wort Lehre. — Aus den zahlreichen Schriftwerken, die dieser Volksgeist im Laufe der Zeit erzeugte, ist unter Hiskia und später unter Esra durch die Schriftgelehrten eine Auswahl getroffen worden, in der die Religionswahrheiten am unverfälschtesten zum Ausdruck kamen, nach Grundsätzen, wie sie nach talmudischem Bericht noch in dem letzten Jahrhundert vor der Zerstörung des Tempels bei einer Prüfung des Kanons Anwendung fanden, der beinahe die Sprüche Salomos, der Prediger und Ezechiel zum Opfer gefallen ־wären.1) — Den religiösen Grundschriften, die in den Familien fleißig x) Mit Recht führt Güdemann als Beweis gegen die jetzt landläufige Hypothese von der späten Aufnahme des Leviticus und der entsprechenden Stellen im Exodus usw. in den Kanon die Tatsache

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