Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 115 sang vom Judentum sich beschäftigen, wie sie in unserer Zeit in den «eben erwähnten Schriften verbreitet wird. Von der atheistischen, materialistischen Bekämpfung der jüdischen Religion will er in dem vorliegenden Werke absehen, ebenso von Angriffen früherer Zeiten. Und er zeigt sich seiner Aufgabe gewachsen. Ausgerüstet mit der umfassenden Kenntnis des jüdischen Schrifttums, die wir aus seinen früheren Werken an ihm bereits kennen und die ihn in den Stand setzt, zumeist die Quellen selber für sich zeugen zu lassen, zeigt er bei der Widerlegung seiner Gegner eine bewundernswerte Gründlichkeit auch auf nichtjüdischem Wissensgebiet, durch die um so greller die Oberflächlichkeit hervortritt, mit der jene über jüdisches Schrifttum urteilen. Vielleicht wird manchem der Ton der Darstellung für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung hie und da gar zu lebhaft erscheinen, aber man begreift, daß gegenüber dieser unverbesserlichen, vielfach bewußten Ignorierung — oder richtiger Ignoranz — historischer Tatsachen vonseiten derer, die sich berufen fühlen, ihren Gegenstand geschichtlich darzustellen, es schwer fällt, die Ruhe zu be« wahren. So ist es nur natürlich und erbaulich zugleich, zu sehen, wie der Verfasser ihr mühsam aufgeführtes Gebäude gleichsam spielend niederreißt und ihnen allenthalben Widerspiüche und Gedankenlosigkeit nach weist. Die ruhige wissenschaftliche Darstellung gellt gelegentlich unvermerkt zu temperamentvollem Angriff über, der die Schwächen der Gegner wirksam zu treffen weiß. Dabei bleibt der Verfasser trotz aller Lebhaftigkeit und seines durch die Lage herausgeforderten Sarkasmus immer sachlich, und mit steigendem Interesse folgt man seinen Ausführungen bis zum Ende des inhaltsreichen, überall anregenden Buches, das mit einer begeisternden Schilderung des jüdischen Messianismus im Gegensatz zu dem übersinnlichen Messianismus des Christentums schließt. Bei solchen Büchern, die seinen vollen Beifall haben, ist der Kritiker in eigentümlicher Lage; er kann nur referieren, fast nichts aus dem eigenen hinzufügen. Und auch das Referieren ist bei der Fülle des Gegebenen keine leichte Aufgabe. Versuchen wir einzelnes herauszuheben; es dürfte genügen, das Verlangen nach dem Inhalte des ganzen trefflichen Buches zu wecken. Anstatt, wie es jetzt vielfach Sitte, vom Wesen der Religion zu reden, will der Verfasser schlechtweg von der Religion sprechen, oder vielmehr sie selbst durch ihre Quellen und ihre lebendige Betätigung in ihren Bekennern sprechen lassen. Die Hervorhebung des »Wesens« ist vor der Gefahr subjektiver Zutaten und Weglassungen nicht geschützt, so daß das gezeichnete Abbild dem Urbild nicht entspricht und ihm deshalb mit Recht die Echtheit 3*