Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 1)
- Language
- German
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114 Besprechungen. Gütiemsum, Moritz. Jüdische Apologetik. Glogau, Flemming. 1906 XV u. 248 S. 8. Die vorliegende Apologetik ist von der »Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums« als Teil eines »Grundrisses der Gesamtwissenschaft des Judentums« herausgegeben. Die Gesellschaft hat sich damit ein nicht geringes Verdienst um die Wissenschaft überhaupt erworben. Schutz- und Verteidigungsschriften für Juden sind seit Philo und Josephus bis auf die neueste Zeit in unübersehbarer Zahl geschrieben worden, aber eine Apologetik, d. h. das Unternehmen, die Verteidigung der jüdischen Religion gegen ihre Angreifer auf wissenschaftliche Grundsätze zurückzuführen, und insbesondere der wissenschaftliche Nachweis seines von den Gegnern beharrlich bestrittenen Rechtes auf Fortbestand, trotz seiner angeblichen Ablösung durch die christliche Lehre in der Einwirkung auf die Entwicklung der Menschheit, ist in dieser Art bisher noch nicht in Angriff genommen worden. Der evangelischen sowohl als auch der katholischen Apologetiken gibt es eine Menge, eine jüdische begrüßen wir in der vorliegenden Arbeit zum ersten Male. Und es war höchste Zeit, daß sie erschien. Wieviel junge jüdische Theologen, wieviele von den andern jüdischen Lesern stehen nicht unter dem Banne der Stade, Graf, Wellhausen u. a., ohne sich über die Tendenz dieser gefeierten Bibelkritiker recht klar zu sein 1 In wundersamer Einmütigkeit tun Philosophen, Theologen, Historiker kund, daß das Judentum seit seiner Unterwerfung unter das Joch der Gesetzesreligion immer mehr verholzt und verknöchert sei, daß nur das Christentum der berechtigte Erbe der Propheten sei, mit dem Judentum aber sei es völlig aus, es habe kein Recht auf Existenz mehr, und seine Literatur könne man »nicht eigentlich ein Gewächs aus echter Wurzel« nennen. Gegen die Überlieferungen des Alten Testamentes von kaltblütiger Unbefangenheit, verfährt man nüchtern, zersetzend, zerfasernd mit seinen Schriften und ihrem Inhalt; vor die Gottessohnschaft Christi aber setzt man die Warnungstafel: »Hier hat alle Forschung stille zu halten« (Harnack) oder: »Ecce liomo — ein göttliches Wunder in dieser Zeit und dieser Umgebung«. (Weilh.) Der Unterschied in dieser Haltung zwischen den Duhm, Stade, Graf, Wellhausen, Wundt, Paulsen, Eduard Meyer e tutti quanti ist nur ein gradueller. Die Verkennung des Judentums der Schriftgelehrten, die Überschätzung der Originalität der christlichen Lehre ist ihnen allen gemeinsam. Höchstens dient das spätere Judentum als Folie für die alleinseligmachende christliche Weltreligion. Angesichts dieser Tatsachen schränkt Güdemann das Feld seiner Aufgabe ein. Seine Apologetik will nur mit der Auffas-