Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vorarbeiten zur "Germania Judaica" II.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829821-2846597--36806-2846712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vorarbeiten zur »Germania judaica«. II. 97 die rauhen Stürme zerstört, die der erste Kreuzzug' über die deutschen Juden heraufbeschwor: In diesem Zeitraum lebten in Speyer*: 1. R. Kalonymos. Er blühte in der zweiten Hälfte des-elften Jahrhunderts®8) und suchte in einem Zwiegespräch mit Kaiser Heinrich IV., das etwa 1070 stattgefunden haben kann89), aus der hl. Schrift die größere Herrlichkeit' des salomonischen Tempels im Vergleich zum Kaisefäonv in Speyer zu beweisen. Derartige polemische Unterredungen waren schon im frühen Mittelalter nichts seltenes40). Dürfte man annehmen, daß jener Kalonymos b. Jehuäa, der am 11. November 1000 in Lucca eine Urkunde Unterzeichnete41), sein Großvater, und der sofort zu erwähnende* Jehudä'bl Kalonymos (Nr. 2) sein Sohn gewesen sei, so wäre’damit eine neue Stütze für die sehr Wahrscheinliche Thatsache gefunden, daß bei der Abfassung des־ Käiserprivilegiums für Speyer eine italienische Urkunde als Grundlage gedient habe42). 2. R. J e huda b. Ka 1 onymos, vielleicht ein So'hn des Vorigen, leitete das Leh'rhaüs in Speyer43) und war׳der an erster Stelle genannte Abgeordnete der dortigen Judenschaft, die vom Kaiser Heinrich IVv am 19. Februar 1090 ein Privilegium erbat und erhielt44). Über’ seine Studien" haben wir nur eine dürftige Nachricht. Er äußerte sich über den Grund, warum gerade am Rüsttage zum Passahfeste die symbolische Vermischung von Gehöften vorgenommen werde45). Der Dichter Kalonymos b. Jehuda46), dem wir manche rührende Klage über die Leiden während des ersten Kreuzzuges47) verdanken, mag sein Sohn48) gewesen sein. 3. R. David b. Meschullam. Er war der zweite Abgesandte der Judenschäft beim Kaiser Heinrich IV,49). Er überlebte den ersten Kreüzzüg und'verfaßte ein Bußgebet über die entsetzlichen Vorgänge, deren Augenzeuge er gewesen ist50). Es kommt noch heute im deutschen51)* und polnischen5*) Ritus zur Verwendung. Der gelehrte und an- Monatsschrift, 52. Jahrgang. 7