Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Vorarbeiten zur "Germania Judaica" II.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829821-2846597--36802-2846708- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vorarbeiten zur »Germania judaica.» II. 93 Talmudmeister, an deren Literaturerzeugnissen wir ebenso sehr die Tiefe und den Umfang des Wissens wie die Klarheit und Schärfe des Urteils bewundern. Und wenige Jahrzehnte später treten die ersten hierzulande heimischen synagogalen Dichter auf, die, anfangs noch mit dem spröden Sprachmaterial hart zu ringen haben, bald aber durch die Zierlichkeit der Diktion, die mit der Glut der Begeisterung gleichen Schritt hält, unser Entzücken erregen. Vergleichsweise jung ist freilich die erste bestimmte Nachricht, die wir über einen Juden in Speyer haben. Sie führt uns in die Zeit Heinrichs IV., der den Bau des Kaiser- Doms vollendete18). Als das vielgepriesene Meisterwerk in seinem neuen Glanze erstrahlte19), fragte der Kaiser einst, wie ein altes polemisches Sammelwerk20) zu melden weiß, den R. Kalony mos21) in Speyer, ob nicht das neue Münster den Tempel Salomonis weit an Schönheit übertreffe. Der Jude erbat sich und erhielt Straflosigkeit zugesichert, wenn seine Antwort etwa unehrerbietig ausfallen sollte, und suchte aus I Kön. 5, 15 die größere Kostbarkeit und aus II Chron. 5, 14 die ungleich höhere Würde des Tempels nachzuweisen. Am interessantesten an der Notiz22) ist der Name des schriftgelehrten Juden28), weil wir vermuten dürfen, daß er ein Sprößling der italienischen Gelehrtenfamilie war, die seit dem Ausgang des 9. oder 10. Jahrhunderts in der Rheingegend, besonders in Mainz, ansässig war. Ungleich wichtiger und wertvoller sind die Vorgänge des Jahres 1084. Am 13. September dieses Jahres, dem Tage nach dem Versöhnungsfeste, stellte Bischof Rüdiger den Juden eine Urkunde24) aus, die ihre Gerechtsame regelte und ihnen eine Verfassung gab, die geeignet war, das Gedeihen der Gemeinde zu befördern. Gern nahm er gleichzeitig neue Ankömmlinge auf, die aus Mainz herüberkamen und aus Furcht vor den Folgen einer Feuersbrunst, die im