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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 92

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 1
Article
Vorarbeiten zur "Germania Judaica" II.
Date
1909-01-01
Page
Seite 92 (sequence 3)
Language
German
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92 Vorarbeiten zur »Germania judaica.« II. von Sicherheit für ihre Person und ihren Besitz verbürgt. Die Lage an der alten Römerstrasse, die von Basel nach Mainz führte, ermöglichte, erleichterte und beförderte den Handel und Verkehr14). Sie gab Gelegenheit zur Ausfuhr der Produkte des Bodens und der allmählich erblühenden Gewerbe und sicherte den Absatz bei der Einfuhr fremder Waaren, die bis zum Ausgang des elften Jahrhunderts wohl vorwiegend in den Händen der Juden gelegen hat15). Dazu kam, daß die sorglose Freigebigkeit der Herrscher, welche die Kirche gern mit beweglichen und unbeweglichen Gütern und deren Bischöfe mit Hoheitsrechten ausstattete, und die umsichtige Tätigkeit der Bischöfe, die klug und zielbewußt die Einwohnerschaft allmählich auch in weltlichen Dingen in ihre Abhängigkeit zu bringen wußten, das Vertrauen der Bevölkerung zur Fortdauer und Stetigkeit der öffentlichen Verhältnisse ungemein erhöhte16). Gerade in Speyer nahm diese Entwickelung ihren schnellsten Verlauf. Vielleicht schon von 946, gewiß aber von 969 an war hier der Bischof der einzige Träger der Gerichtsbarkeit im Stadtbezirke und bald (989) auch in dem dicht an die Stadt grenzenden Landbezirke17). Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in einem solchen Gemeinwesen die Juden schon früh mit Vorliebe Aufnahme gesucht haben werden. Denn so mangelhaft unsere urkundlichen Nachrichten auch über deutsche Juden und jüdische Gemeinden vor der Zeit der Kreuzzüge sind, so sichere Kennzeichen besitzen wir doch für die Tatsache, daß es damals bereits ansehnliehe jüdische Ansiedlungen, deren Mitglieder sich eines gewissen Wohlstandes erfreuten, gegeben haben müsse. Aus dem erstaunlich umfangreichen sittlichen und wissenschaftlichen Besitz, den wir in den Händen der deutschen Juden des 11. Jahrhunderts finden, dürfen wir auf eine langjährige ungestörte Entwickelung schließen, in der diese Güter allmählich wachsen und gedeihen konnten. Schon von 950 an leben in diesen Gegenden eingeborene

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