Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 18)
- Language
- German
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Die Stellung des Simon Duran in der jüd. Religionsphilos. 63: doch unbegrenzt; es erstreckt sich nicht nur auf sein eigenes Wesen und nicht nur auf das Allgemeine oder die Gattungen, sondern auch auf die Einzeldinge. Wenn die Philosophen Gott ein Wissen von den Einzeldingen absprechen, weil der Mensch mit seinem Wissen nicht zugleich mehrere Dinge umfassen könne, so begehen sie den Fehler, daß sie das unbegrenzte und vollkommene Wissen Gottes nach dem begrenzten und unvollkommenen Wissen des Menschen beurteilen, dem es ja auch versagt ist, sich eine Vorstellung von den göttlichen Dingen zu machen. Ebenso wenig trifft das Argument zu, daß Gott, wenn er die Dinge außerhalb seines Wesens erkennen würde, dadurch eine nicht in seinem Wesen begründete Vervollkommnung erführe. Der Mensch, der ohne das Wissen der Vollkommenhnit entbehrt, gelangt durch das Wissen zur Vollkommenheit; Gott aber, dessen Vollkommenheit in seinem Wesen begründet ist, erlangt durch das Wissen von den Dingen keine Vollkommenheit; dagegen aber wäre es ein Mangel in seinem Wesen, wenn ein Anderer Etwas wüßte, was Gott nicht weiß1). Wie ist jedoch mit der Allwissenheit Gottes die menschliche Willensfreiheit in Einklang zu bringen, die doch, gleich jener von der Thora und der Tradition gelehrt, mit ihr nicht im Widerspruch stehen kann, da es nicht die Weise der Thora ist, Lehren aufzustellen, die miteinander im Widerspruch stehen? Alle Versuche, dieses Problem einer Lösung entgegenzuführen, haben sich bisher als erfolglos erwiesen, indem sie darauf hinauskommen, entweder die Allwissenheit Gottes einzuschränken, oder der menschlichen Willensfreiheit jede Möglichkeit der Betätigung zu verschließen2). Dies gilt, wie Duran bemerkt, auch von der Ansicht, die einer seiner Zeitgenossen aufgestellt habe, daß Gott nämlich wohl die Handlungen kenne, noch bevor sie geschehen sind, daß Gott aber zugleich wisse, ‘) M, A., S. 32 a, E. Hk. cap. 5. 2) E. Hk., cap. 6.