Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 7)
- Language
- German
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52 Die Stellung des Simon Duran in der jüd. Religionsphilos. Weil Gersonides sich nicht vorstellen konnte, daß ein Etwas aus .einem. Nichtetwas entstehen könne, darum habe er sich d^für entschieden, daß die Welt aus einem Etwas entstanden sei, aber, nicht aus einem,, vollkommenen Etwas, sondern aus. einer der Form entbehrenden, ihre Gestalt wechselnden Materie. W>enn er sich darauf beruft, daß der Welt, wenn sief aus,Nichts entstanden wäre, die Leere hätte vorangehen müssen, was nicht, möglich sei, so ist das ein wenig stichhaltiges. Argument, denn vor der Schöpfung gab es überhaupt keine Natur, von der man die. Existenz oder Nichtexistenz ״ der, Leere aussagen könnte. Und warum sollte es unmöglich sein, daß Etwas aus Nichts entstehe, da doch die, getrennten Intelligenzen aus Nichts entstanden sind? Die Annahme einer ewigen Materie ist aber umso bedenklieber, weil man von dem Glauben an eine Schöpfung aus Etw^s leicht dazu gelangt, an die Ewigkeit der Welt zu glauben1). Gersonides bestreitet, daß die.getrennten Intelligenzen, wie die Früheren und auch Maimonides gelehrt halten, eine von der anderen verursacht würden; nach seiner Ansicht würden sie vielmehr alle.unmittelbar von Got^ verursacht. Duran findet, daß jede,der beiden Ansichten etwas für sich habe, daß sich aber keine streng beweisen lasse.; vpm Standpunkt des Glaubens sei es ebenso unbedenklich, sich zu der einen wie zu der anderen zu bekennen2). Auf Averroes gestützt, bestreitet Gersonides, daß der Prophet ohne die ersten Erkenntnisse, d. h. ohne Kenntnis der Prämissen, zu den zweiten Erkenntnissen gelangen könne,... denn wenn dem, so, wäre, so würde die Erkenntnis des Propheten in betreff dieser Dinge unter der ,Erkenntnis, des Weisen stehen, und er würde, von ihnen kein , begriffliches Wissen, sondern nur eine Vorstellung haben. Diese Ansicht wird von Duran als falsch und als eines Mannes wie Gersonides unwürdig zurückgewiesen־ ג) M. A., S. 96 b. 2) M. A., S, 5 a, 14 a.