Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Agada bei Philo
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 7)
- Language
- German
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34 Agada bei Philo. die Struktur oder Architektonik der Agada, der Auslegungs- und Anwendungs-Agada. Aberdas innerste Wesen, den Geist der Agada trifft das alles nicht., Indessen bietet Zunz selbst, wie überall auch hier der Pfadweiser, indem er auch von ethischer Agada spricht, eine Handhabe, gleichsam den Ariadnefaden, der durch das Labyrinth, die vielverschlungenen Pfade der Agada führt. Wie, wenn man es versuchen wollte, das Einzelne der Agada samt und sonders unter dem Gesichtspunkt der Ethik und des Glaubens zu begreifen? Und so möchte ich die Definition aufstellen: Agada ist die Ethik und der Glaube im Judentum, und das im weitesten Sinne, also daß nach dem Schwesterverhältnis, das zwischen Religion und Geschichte einerseits und zwischen Religion und Posie andererseits besteht, die Agada ebenso Sage, Legende und selbst eigentlich Geschichtliches, letzteres von der ethischen Seite angesehen, wie auch Fabel, Parabel, und was dergleichen dichterische Formen mehr sind, begreift Es will mir scheinen, das sei eine klare Unterscheidung und vor allem eine scharfe Abgrenzung gegen das andere Gebiet, das der Halacha, der ihrer ganzen Natur nach der poetische Hauch, der dichterische Schwung,der mehr oder weniger allem Agadischen innewohnt, abgehen muß. Zum mindesten aber ist es.etwas Positives statt der bisherigen bloßen Negation. Das Gebiet der Agada aber begreift mehr, es begreift selbst unsere überlieferten hebräischen Gebete als den poetischen Niederschlag von Glauben und Sehnen nach Gott. Was aber die Agada der Halacha in gewissem Sinne, übergeordnet erscheinen läßt ist, wie wiederum Zunz zutreffend sagt: in der Halacha finden nur Gedächtnis und Scharfsinn ihr Betätigungsfeld, in der Agada dagegen erst konnte sich das Talent, sagen wir nach heutigem Sprachgebrauch: das religiöse Genie schöpferisch entfalten.- Im Gegensatz zu den »Bergen« der Halacha, konnten sich in der Agada erst die »Tiefen« ethischen Denkens, der ganze: