Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Agada bei Philo
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 5)
- Language
- German
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32 Agada bei Philo. sie hindurchgegangen, nicht immer nachweisbar sind; denn »Geister gehen« wie Jogi geistreich a. a. 0. sagt, »durch die Luft«. Es geht schlechterdings nicht mehr an, von ausschließlich palästinensisch-babylonischer Agada zu sprechen, auch der Alexandrinismus hat daran sein Teil. Freilich ist es andererseits maßlose Übertreibung, wenn Friedländer in seinem famosen Buche über »die religiösen Bewegungen im Judentume« die jüdisch-hellenistische Religionsbewegung und deren Literatur weit über das talmudische Judentum stellt und in letzterem gar eine Aftergeburt erblickt — ein Urteil, dessen Unwissenschaftlichkeit in diesen Bl. bereits gründlich nachgewiesen worden ist. Doch vor allem erhebt sich die Frage: was ist eigentlieh Agada? Die genaue Formel hierfür, so viel auch über einzelne Agadawerke, ihren Inhalt, ihre Abfassungszeit und ihre Verfasser geschrieben worden, ist noch immer nicht gefunden. Man kennt nach Zunzens grundlegendem Werke für Agada die Einteilung der Agada, spricht allgemein von ethischer, historischer und Auslegungs-Agada, rechnet auch Sentenz, Fabel, Parabel, Sage, Legende zur Agada. Das sieht dann freilich erschreckend ähnlich einem großen Sacke, in den man alles hineinstopft, was nicht Halacha ist, woraus etwa die Gleichung Agada ־־= Nicht-Halacha sich ergäbe; sagt doch Zunz selbst: dem Agadagebiete fällt alles anheim, was nicht Erforschung des geschriebenen oder Akkommodation des überlieferten Gesetzes ist. Eine präzise Definition, wie sie die exakte Wissenschaft verlangt, eine einheitliche Auffassung der Agada ist das nicht. Zunzens Arbeit sollte auch, wie er selbst im Vorwort sagt, eine geschichtliche Untersuchung sein, nichts weiter. Unbetreten,5] wie das Gebiet der Agada bis auf ihn war, galt es ihm zunächst — und das war auch die erste Aufgabe —־ alles und jedes von Agadawerken, agadischen Elementen vom frühesten Zeitalter bis zum jüngsten Produkt zu sammeln, zu sichten, zu beschreiben nach Inhalt, Abfas-