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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 1 · p. Seite 29

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 1
Article
Agada bei Philo
Date
1909-01-01
Page
Seite 29 (sequence 2)
Language
German
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Agada bei Philo. 29 begriff des Judentums darzustellen unternommen haben, — und solcher Aufgaben mußten sie sich bemächtigen, sollte das Christentum im Lichte geschichtlicher Entwickelung gezeigt werden — wie, sageich, fast hämisch von Schürer bis auf die Neueren: Bousset, Pfleiderer, Herrn. Schulz darauf hingewiesen wird, daß das Judentum »nichts als eine Gesetzesreligion« sei, eine Religion, in der die Ethik durch die Casuistik erdrückt werde, also daß Schürer geradezu von einem »Leben unter dem Gesetze« redet — zur Charakteristik des Judentums. Es ist nun ein gar zu billiger Trost, da zu sagen: »was trägt das Judentum Schuld daran, daß von seinen christlichen Darstellern, ob tendenziös oder aus Unkenntnis, nur Zerrbilder geliefert werden?« Die Erscheinung — man mag sagen, was man wolle — ist doch beschämend für uns, und doch wohl nicht ganz ohne unsere Schuld. Auf die tiefer liegenden Ursachen ist einzugehen, und eine davon ist wohl die bis auf Zunzens Zeit im Schwange gewesene Bevorzugung der halachischen Studien, also daß Talmud und Schulchan Aruch fast ausschließlich als das Judentum galten. Wie sollte da nicht der Draußenstehende die Lichter und Farben zur Darstellung des Judentums, wenn er sie unternahm, immer wieder von da holen und immer wieder aus dem Talmud Sätze herausklauben zum Hinweise: »Seht, das ist das Judentum«? Daß aber der »Herzschlag« des Judentums, sein Glaube, seine Ethik vielmehr in dem Bereiche der Agada liege, daß diese ein ganz anderes Bild gebe, als das eines »Lebens unter dem Joch des Gesetzes«, darauf die Aufmerksamkeit der Draußenstehenden zu lenken, dazu war eben von Juden viel zu wenig geschehen. Und heute? Daß es Güdemann in seinem ganz vortrefflichen Buche: »Jüdische Apologetik« gelungen ist, eine Ehrenrettung des Judentums, die auch dem draußenstehenden, nichtjüdisehen Forscher imponieren wird, zu geben, geschieht durchgängig nur durch Herbeiziehung von agadischem Stoff.

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