Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 25 sten Wissenschaften1). Pico von Mirandula, der edle Graf und Philosoph, habe ihre unbegrenzte Bedeutung für jede wissenschaftliche Methode2), der Heilige Hieronymus ihren heiligen, erfreuenden, wahrhaft süßen Charakter, der die Klugheit Gottes und die Unergründlichst seines Wesens zur Anschauung bringe, gepriesen3). Das Hebräische galt Reuchlin und seinen Sinnesverwandten, wie den gläubigen Juden4 *) als die Sprache, in der Gott mit den Erzvätern, mit Moses und den Propheten gesprochen6), und es umgab sie die Annahme mit einer Glorie, »daß Jesus Christus in seinem leben sie gebraucht habe«6). Mit unerschütterlicher wissenschaftlicher Überzeugung hielt Reuchlin daran fest, daß nur die genaue Kenntnis dieser Sprache das Verständnis des Alten Testamentes ermögliche. Denn im Pentateuch lese man, daß die Sprache, und dies sei die hebräische *) Sie gewähre den Weg »ad perscrutationem profundissimarum scientiarum.« (Ebenda), 2) Er sage in seinen 1486 wiedergedruckten Conclusiones DCCC dialecticae, morales, physicäe mathematicae publice disputandae : »Quiordinem hebraice lingue profunde et radicaliter tenuerit atque illum proporcionabiliter in scientiis seruare nouerit, cuiuscunque scibilis perfecte inueniendi normam et regulam habebit!« (Ebenda). Pico starb 1494. 3) Er habe vom hebräischen Alphabete geschrieben: »quid hoc sacratius sacramento? quid hac sacramenti uoluptate iucundius? qui cibi, que mella sunt dulciora quam dei scire prudentiam et in abdita eius intrare.« (Ebenda). 4) Reuchlin: Rudimenta hebraica, Lib. II. (Phorce 1506) fol. 271 beim hebräischen Worte für Barbarus): »et dicitur secundum Judeos sic omnis qui non lingua sancta id et lingua hebraica loq'iitur.« 6) Keßler, Sabbata 1. Bd. S. 163. — » . . . . linguae sacratae, qua os Dei loquutum est.« schrieb von ihr, im Jahre 1515, aus Rom Michael Hummelberg, der treue Reuchlinverehrer und Humanist, an den hochgeschätzten Gelehrten Beatus Rhenanus. (Adalbert Horawitz : Zur Biographie und Correspondenz Johannes Reuchlin's, in den Sitzungsberichten der philosophisch-historischen Classe der kaiser* liehen Akademie der Wissenschaften. 85. Bd. (Wien 1877) S. 136, *) Kessler, Sabbata 1. Bd. S. 163.