Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
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24 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh« Es war für einen Christen zu Reuchlins Zeit nicht leicht, von einem jüdischen Gelehrten in die hebräische Sprache und in die Kenntnis altjüdischer Schriften eingeführt, geschweige denn mit diesen vertraut gemacht zu werden. In seinem Rudimenta hebraicae linguae (auf fol. 621) sagt er, mit der warmblütigen und männlichen Offenheit, die diesem Werke so wohl ansteht: die Juden wollten, teils aus Neid, teils aus Unerfahrenheit (uel inuidia uel impericia ducti) keinen Christen in der hebräischen Sprache unterrichten. Sie verweigerten dies, weil Rabbi Ammi im Talmud gesagt habe: keinem Fremden solle man das Wort des Gesetzes auslegen, denn es stehe geschrieben: Der sein Wort Jakob verkündet, seine Vorschriften und seine Urtheile Israel, der habe nicht also jedem Volke gethan1). Für die Christen aber, hält Reuchlin dem entgegen, gelte die Botschaft im 10. Kapitel des Evangeliums Matthaei: Was Euch zu Gehör gekommen ist, predigt es über die Dächer hinaus2). Wie tief Reuchlin, der sie als einen Kenntnisschmuck verehrte, den Wert der hebräischen Sprache empfand, das bekundete er am Schlüsse des dritten Buches seiner Rudimenta gegenüber seinem Bruder. Nie aufhören solle er im Lernen dieser Sprache, kein Gelehrsamkeitsbesitz sei ehrenvoller; sie führe zu den höchsten und bewunderungswürdigsten Dingen hin3), zur Erforschung der tief- Kirche: Ob es war vn glaublich sey, daß die Juden der Christen kinder heymlich erwürgen, vnd jr blut gebrauchen, ein treffenliche schrifft auf eines yeden vrteyl gestelt. Wer Menschen blut vergeußt, des blut sol ouch vergossen werdn. Das Schrlftchen erschien ohne Angabe des Druckortes und Jahres. 0 »Non explanantur uerba legis cuiquam gentili eo quod scriptum est: Qui adnunciat uerba sua Jacob, precepta sua et iudicia sua Israel non fecit similiter omni genti.« a) Quod in aurem auditis predicate super tecta.« 8) » . . . que circa res summas et admirabiles versatur,« (A. a. O. pg, 620.)